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Inhalt: Der Knappe Ein fahrender Rittersmann trabte samt Knappen durch den Wald. Da traf er auf einen anderen Rittersmann samt Knappen. „Wohin des Wegs?“ Fragte da der fahrende Rittersmann jenen anderen. Der antwortete: „Zum Schloss der schönen Jungfrau Kunigunde. Dort findet ein gar ehrbares Ritterspiel statt. Wer den Sieg aber davonträgt, der wird die schöne Kunigunde zur Gemahlin nehmen dürfen und der neue König des Landes werden.“ – „Wohlan.“ Sprach da der fahrende Rittersmann: „Da wäre es wohl das Beste, ich forderte Euch hier zum Zweikampf heraus. So kann ich dann, nach einem errungenen Sieg über Euch, der schönen Jungfrau Kunigunde entgegeneilen und mit des Schicksals Güte ihr Gemahl bald werden.“ – „Nun denn, so soll meine eiserne Streitaxt Euch Euren Stolz und Eure Glieder nehmen.“ Antwortete der da andere Rittersmann. „Da irrt Ihr Euch. Denn mein gut geschärftes Schwert wird Euch den Schädel gleich vom Körper schneiden.“ Entgegnete nun der fahrende Rittersmann. Und alsbald schlugen sie mit ihren tödlichen Waffen aufeinander ein. Doch der fahrende Rittersmann führte sein Schwert so geschickt, dass er dem anderen bald dessen Schädel samt Helm mit einem Hieb vom Körper schlug. Da musste dessen Knappe seinen ehemaligen Herrn begraben und sich auf die Suche nach einem neuen Rittersmann, dem er dienen konnte, machen. Und so ging der Knappe allein durch den Wald, da er sein Maultier und das Pferd seines ehemaligen Herrn dem fahrenden Rittersmann hatte überlassen müssen. Wie der Knappe so durch den Wald lief, da fiel mit einem Male ein großer Wolf vom Himmel genau vor des Knappen Füße. Der Wolf kam aber mit solcher Wucht geflogen, dass ihm bei der Landung alle seine Beine brachen. Verzweifelt, hilflos und voller Schmerz sah der Wolf den Knappen an. Der Knappe zog schon seinen Hirschfänger, um dem Wolf den Rest zu geben. Doch da begann der Wolf wohl seine Schmerzen erst recht zu fühlen und bekam es obendrein entsetzlich mit der Angst zu tun. Und so brach er in ein grauenvolles Geheule aus. Dabei sagte er: „Töte mich nicht! Töte mich nicht! Es soll Dir auch zum Guten gereichen.“ Da erbarmte sich der Knappe des Wolfes und legte dessen gebrochenen Knochen Schienen an, auf dass der Wolf wieder gesund würde. Und da ihn ja sonst nichts trieb, so blieb der Knappe für einige Zeit im Wald, lebte von Wurzeln und Beeren und pflegte den Wolf gesund. Als der Wolf nun gesund war, sagte er zu dem Knappen: „Dafür, dass Du mich verschont und gesund gepflegt hast, werde ich Dir drei Wünsche erfüllen. Du brauchst nur den Wunsch auszusprechen und schon wird er in Erfüllung gehen.“ – „Ich werd's mir merken.“ Erwiderte der Knappe und so trennten sich ihre Wege. Da lief der Knappe durch den Wald und kam bald auf eine Lichtung. Dort schlugen sich zwei Rittersmänner, die einander auf dem Wege zum Ritterspiel der Kunigunde getroffen hatten, ganz wie des Knappen ehemaliger Herr und der fahrende Rittersmann zuvor. Nun war einer der beiden eben jener fahrende Rittersmann und wieder führte ihn sein scharfes Schwert und seine geschickte Hand zum Sieg über den anderen Rittersmann, indem er auch diesem das Haupt vom Körper schlug. Als der Knappe das gesehen hatte, ging er hin und sagte: „Fahrender Rittersmann, ich wünsche mir, dass Ihr mich zum Ritter schlagt.“ Und ganz ohne Widerspruch zog der fahrende Rittersmann sein Schwert abermals, legte es auf die Schulter des Knappen und erhob ihn in den Ritterstand. Nun sagte der Knappe, der jetzt ein Rittersmann war, zu dem fahrenden Rittersmann: „Ich wünsche mir, dass Ihr im Kampf gegen mich verliert.“ Und so kämpfte der fahrende Rittersmann tapfer gegen den Knappen, doch wie er sich auch mühte, sein Schwert verfehlte immer das Ziel. Der Knappe traf jedoch mit jedem Schlag seines Morgensterns den fahrenden Rittersmann. Nachdem nun der fahrende Rittersmann schon etliche Male umgefallen und sich wieder aufgerappelt hatte, sagte der Knappe: „Ihr werdet den Kampf nicht gewinnen können. Gebt auf, bevor Euch ein tödlicher Schlag trifft. Euer Geschick und Eure Tapferkeit werde ich noch benötigen, wenn ich erst der König des Landes bin.“ Da hatte der fahrende Ritter ein Einsehen und so zogen sie nun gemeinsam zum Schloss der Kunigunde. Dort trat der Knappe nun als Rittersmann vor Kunigunde und sagte: „Ich wünsche mir, dass ich das Ritterspiel gewinne.“ Und genauso kam es dann auch. Der Knappe heiratete Kunigunde und wurde König des Landes. Der fahrende Rittersmann aber wurde sein Kriegsminister und führte viele erfolgreiche Schlachten. Übrigens den Wolf hatte damals der Nackte Bär durch die Luft geworfen, weil der ihm seine Mahlzeit hatte streitig machen wollen. siehe auch: http://der1nackte1baer1maerchen.oyla11.de