Rudi der Reisefrosch – Die Pantoffeln
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Rudi der Reisefrosch – Die Pantoffeln

Eines schönen Sommertages beschloss Rudi, sich mal wieder auf die Reise zu begeben. Er hieß nicht wirklich Rudi, denn Frösche geben sich normalerweise keine Namen, aber da wir Menschen uns angewöhnt haben, allem und jedem einen Namen zu verpassen, wollen wir ruhig bei Rudi bleiben.
Rudi hüpfte also herunter zu dem kleinen Bach, der an seiner Wiese entlang floss und sprang auf ein Teichrosenblatt, das gerade vorbei trieb und in dessen Mitte eine wunderschöne gelbe Blüte leuchtete. Er legte sich daneben und ließ sich von der Sonne bescheinen, während er an Wiesen, Feldern und lichten Wäldern vorbeikam.
Nach einiger Zeit kam Rudis Teichrosenboot zu einem Bauernhaus, wo gerade die Bäuerin die frische Wäsche von der Leine nahm. Da war auch ein Paar Pantoffeln dabei, in die die Frau direkt hineinschlüpfte.
Aber da! – Rudi wollte seinen Augen nicht trauen – vorne auf jedem Pantoffel saß ein Frosch. Auf dem linken ein Froschmann mit Zylinder und rechts ein junges Froschmädchen mit einem rosa Kopftuch. Und mit jedem Schritt der Frau nickte sie auf und ab und das Kopftuch flatterte im Luftzug.
Da war Rudi gleich hin und weg vor lauter Verliebtsein – denn Frösche verlieben sich oft und gerne und eigentlich bei jeder passenden Gelegenheit. Er hüpfte seinem Pantoffelmädchen hinterher und ließ die Teichrose weitertreiben. Ein neues Boot würde er schon finden, aber zu dieser Fröschin musste er hin.
Die Bäuerin ging mit ihrer Wäsche zum Haus und ließ die Pantoffel vor der Tür stehen. Rudi natürlich direkt hinterher.
Zur gleichen Zeit saß Anton der Storch (der hieß natürlich genauso wenig Anton wie unser Frosch Rudi, aber lasst uns Menschen ruhig bei dem Namen bleiben) oben auf dem Dach mitten in seinem Nest und schob Hunger, denn er hatte schon ewig nichts mehr in den Schnabel bekommen. Und wie er sich so umsah, erblickte Anton mitten auf dem Weg einen leckeren grünen Frosch hinter der Bäuerin – unseren Rudi.
Und so traf zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehörte. Rudi der Frosch mit seinem Pantoffelmädchen und Anton der Storch mit allen beiden. Und Rudi wollte natürlich nicht zur Storchenmahlzeit werden. Also riss er seine Fröschin vom Pantoffel los und sprang in die Tränke, die hinter dem Haus stand. Anton flog ihm direkt hinterher, er wollte sich schließlich sein Mittagessen nicht entgehen lassen. Als er mit seinem langen Schnabel in der Tränke herumstocherte, löste er den Stopfen vom Abfluss und Rudi wurde mitsamt seiner Fröschin herausgesogen.
Vom Abflussrohr auf der Wiese ausgespuckt kam Rudi endlich zur Ruhe und konnte sich mit seiner Fröschin beschäftigen. Doch was war mit ihr passiert? Von Antons Schnabel gelöchert hatte sie sich mit Wasser vollgesogen. Ihre Wattefüllung quoll überall hinaus und genau wie die Froschpuppe platzte auch Rudis Traum von der Froschhochzeit.
Und es sollte noch schlimmer für Rudi kommen. Anton hatte ihn und sein zerfetztes Wattebündel entdeckt und landete direkt neben ihm, um sich endlich sein Mittagessen schmecken zu lassen. Er warf Rudi in hohem Bogen in die Luft und der sah sich schon auf Nimmerwiedersehen im weit geöffneten Storchenschnabel verschwinden.
Doch da kam die Bäuerin wieder aus dem Haus und sah den Storch neben dem kaputten Pantoffel. In ihrer Wut nahm sie den Pantoffel und knallte ihn Anton so fest gegen den Kopf, dass der Storch weit in die eine Richtung flog und der Pantoffel in die andere. Rudi war gerettet.
Der Pantoffel aber landete mitten in einem Schilfbüschel, aus dem es ganz erschrocken „Quaaak“ machte. Neugierig geworden, hüpfte Rudi hinterher und sah den Pantoffel auf etwas Grünem liegen. Er wälzte den Pantoffel zur Seite und heraus kam – ein wunderschönes Froschmädchen. Nachdem Rudi ganz ungläubig zuerst sich selbst und dann vorsichtshalber auch das Mädchen gezwickt hatte (und sich dafür auch prompt eine kräftige Ohrfeige einhandelte), kam es so, wie es bei frisch Verliebten eben so kommt.
Zu guter Letzt schnappten sich unsere beiden Frösche den linken Pantoffel mit dem Froschmann und seinem Zylinder als Boot und trieben den Bach weiter hinab in die Sonne hinein.
Ob die beiden heute noch zusammen sind, können wir nicht sagen, denn Froschliebe ist nicht für ewig gemacht. Aber eines wissen wir genau; in diesem Moment waren sie die glücklichsten Frösche der Welt.

Mettmann, im Juli 2011
MwieMeikel