Der Schmetterling
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Der Schmetterling

Der Schmetterling

Es gab einmal ein Land, dass war reich an den schönsten Wäldern. Der König dieses Landes war zu Recht stolz auf seinen Besitz. Seine Wälder brachten ihm reichlich Wild, Holz, Beeren, Pilze und andere nützliche Dinge ein. Bei seinen Nachbarn war er hoch angesehen, da im Sommer und Herbst die aufregendsten Jagden veranstaltet wurden.
Der König hatte einen Sohn, Jagomir, auf den er noch stolzer war, als auf sein Land. Jagomir war in den letzten Jahren immer der beste Jäger gewesen. Er liebte es, mit seinen Freunden durch die Wälder zu streifen.
Eines Tages sagte der König zu seinem Sohn: „Ich freue mich, dass aus dir so ein prächtiger Mann geworden ist. Nun steht der Winter vor der Tür, die Jagdsaison ist vorbei und du solltest die Zeit nutzen, um dir eine passende Braut zu suchen. Ich habe dafür alle Könige und Königinnen mit ihren Töchtern aus den mir bekannten Ländern zu einem Ball eingeladen. Ich möchte, dass du auf diesem Ball erscheinst und dir deine zukünftige Frau aussuchst.“
„Vater, ich fühle mich noch nicht bereit zum Heiraten! Bitte gib mir noch etwas Zeit!“ antwortete Jagomir. „Nein!“ sprach sein Vater im leichten Zorn. „Du wirst da sein und dir jemanden aussuchen. Das ist mein letztes Wort!“
Jagomir wusste, dass jedes weitere Wort vergebens wäre und zog wütend davon. Er wollte seinem Ärger Luft machen und ging in den Stall. Nachdem er sein Pferd und seine Armbrust geholt hatte, ritt er eilig davon.
Da er mit seinen Gedanken ganz und gar bei dem Streit mit seinem Vater war, merkte er nicht, dass er immer tiefer in den Wald geriet.
Plötzlich hörte er ein leises Wimmern. Er stieg vom Pferd und schaute sich um. Da sah er ein Stück weit entfernt einen Zwerg, welcher bei einem umgestürzten Baum hockte. Er ging auf das kleine Männlein zu und sprach: „Was ist dir geschehen? Warum wimmerst du so?“. Der Zwerg erschrak, denn er hatte in seinem Kummer den Prinzen nicht bemerkt. Als er sich gefasst hatte, antwortete er: „In der letzten Nacht gab es einen Sturm und dieser Baum ist umgestürzt. Ich konnte noch zur Seite springen, aber mein langer Bart ist nun unter dem Stamm eingeklemmt. Ich ziehe und zerre, aber ich bekomme ihn nicht heraus.“
„Wenn es weiter nichts ist“, sprach Jagomir. „so kann ich dir bestimmt helfen.“ Er versuchte mit aller Kraft den Baum anzuheben und als es ihm gelang, zog das kleine Männlein schnell seinen Bart heraus. Überglücklich hüpfte er vor Freude, sodass Jagomir lachte. „Hör gut zu junger Prinz. Ich stehe in deiner Schuld. Eines Tages wirst du sicher auch einmal meine Hilfe brauchen, dann werde ich zur Stelle sein. Bis dahin, gehabt euch wohl.“ sprach der Zwerg und war plötzlich verschwunden. Jagomir runzelte die Stirn und fragte sich, ob er das alles nur geträumt hatte. Wie sollte ihm so ein Zwerglein je helfen können?
Der Prinz schaute sich um und erst jetzt fiel ihm auf, dass er viel zu tief in den Wald geraten war. Er nahm sein Pferd an die Zügel und versuchte den richtigen Weg zurück aus den Wald zu finden. An einer Lichtung machte er halt. Hatte sich da nicht gerade etwas bewegt? Er sah genauer hin und entdeckte ein Mädchen mit einem Korb, das wohl auf der Suche nach Beeren oder Pilzen war. Fasziniert beobachtete er sie, denn das Mädchen war wunderschön. Die langen blonden Haare waren zu einem Zopf gebunden, welcher ihr über den Rücken fiel. Sie hatte gerötete Wangen und ein Strahlen auf dem Gesicht. Jagomir verliebte sich augenblicklich in sie.
„Guten Tag!“ sprach er sie vorsichtig an.







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Das Mädchen drehte sich abrupt und etwas erschrocken zu ihm um. Dann lächelte es und antwortete: „Guten Tag, Herr Jäger! Ich habe Euch nicht kommen hören!“ Sie strahlte eine Freundlichkeit aus, dass es Jagomir ganz warm ums Herz wurde. „Wer seid ihr?“ fragte er sie. „Ich bin Diane, die Tochter des Oberförsters seiner Majestät.“ sagte sie etwas stolz. „Ich wollte nur ein paar Beeren für den Nachtisch pflücken. Ihr seid wohl auf der Jagd?“ fragte sie und deutete auf seine Armbrust. „Ja.“ sagte Jagomir und überlegte, dass es wohl vorerst besser sei, ihr nicht zu erzählen, dass er ein Prinz ist. „Ich heiße Jagomir. Ich habe mich etwas im Wald verirrt. Kannst du mir vielleicht den Weg heraus zeigen?“ „Natürlich kann ich das.“ sagte Diane freundlich. „Folge mir, der Weg führt an unserem Haus vorbei.“ Die Zeit flog nur so dahin, als die beiden gemeinsam durch den Wald liefen. Sie genossen einander Gesellschaft und fühlten sich wohl. Als das Försterhaus zu sehen war, wollte sich Diane gerade verabschieden als Jagomir sagte: „Ich möchte dich gern wieder sehen. Treffen wir uns morgen wieder hier zur selben Zeit!“ Diane nickte ihm lächelnd zu und lief nach Hause. Jagomir bestieg sein Pferd und ritt glücklich zurück zum Schloss. Er hatte ganz vergessen, weshalb er eigentlich in den Wald geritten war.
Als er ankam, fiel es ihm gleich wieder ein, denn es standen viele Kutschen im Schlosshof.
Schnell brachte er sein Pferd in den Stall und schlich sich in seine Gemächer, um ungestört an Diane denken zu können.
Es klopfte und sein Kammerdiener öffnete die Tür. „Junger Herr, ich bringe Euch die Kleider für den Abendball. Ihr solltet Euch beeilen, ihr werdet schon erwartet!“
Zähneknirschend zog sich Jagomir um und folgte seinem Diener in den großen Ballsaal. Die Gäste waren bereits vollzählig versammelt und ihre Augen ruhten nun auf Jagomir, dem die Aufmerksamkeit sehr unangenehm war. Besonders die Prinzessinnen sahen ihn erwartungsvoll an. Der Prinz nahm neben dem Thron seines Vater und seiner Mutter Platz. Das Fest begann.
Die Musik spielte und es wurde fröhlich getanzt. Doch Jagomir war mit seinen Gedanken im Wald, bei Diane, bis sein Vater in anstieß. „Es wird Zeit! Du solltest die Prinzessinnen zum Tanz auffordern, sonst hält man dich für unhöflich!“ forderte der König ihn auf.
Jagomir atmete tief durch und lief auf die erste Königstochter zu, die am Rande der Tanzfläche stand. Er forderte sie höflich auf ohne wirklich einen ernsten Blick auf sie zu verschwenden. Und so tanzte er mit einer nach der anderen und tat seine Pflicht bis Mitternacht. Dann wurde der Ball beendet und Jagomir verließ erleichtert den Saal.
Am nächsten Morgen fragte ihn der König: „Nun, mein Junge, welche der hübschen Damen soll deine Braut werden?“ „Ach Vater, ich bin noch ganz erschöpft. Bitte lasst mir noch ein wenig Bedenkzeit!“ wich er ihm geschickt aus. „Nun gut. Aber ich werde dich bald wieder fragen, dann will ich eine Antwort haben!“ sprach der König.
Doch Jagomir hörte seine Worte kaum noch, er war schon auf dem Weg in den Stall um sein Pferd zu satteln und schnell in den Wald zu reiten.
Auf der Lichtung traf er auf Diane, die schon auf ihn wartete. Freudestrahlend begrüßten sie sich und verbrachten den ganzen Nachmittag im Wald. Das taten sie von nun an jeden Tag und wurden immer glücklicher miteinander. Doch Diane wusste immer noch nicht, dass Jagomir ein Prinz war.






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Als der Winter vorbei war und überall der Frühling langsam Einzug hielt, fragte der König seinen Sohn erneut: „Es wird Frühling. Die beste Zeit zum Heiraten. Für wen hast du dich nun entschieden? Welche der Prinzessinnen soll deine zukünftige Frau werden?“ „Ich habe die rechte Braut gefunden, Vater, aber sie ist keine Prinzessin. Sie ist die Tochter deines Oberförsters. Diese Frau möchte ich heiraten!“ antwortete Jagomir. „Was sagst du da!“ schrie der König empört. „Eine Förstertochter soll die nächste Königin werden?! Nie und nimmer!“
„Dann werde ich niemanden zur Frau nehmen!“ entgegnete der Prinz trotzig. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!“ sagte der König und rauschte wütend davon.
Traurig und geknickt holte Jagomir sein Pferd, um wieder zu Diane in den Wald zu reiten. Er war sehr unglücklich darüber, sie nicht zu seiner Frau nehmen zu können. Doch als er sie in ihrem Liebreiz und mit strahlendem Gesicht vor sich sah, war sein Kummer ein Stück gewichen. „Dann werde ich auch so glücklich mit ihr.“ dachte er sich und schloss seine Liebste in die Arme.
Wochen vergingen. Der König und der Prinz sprachen kein Wort miteinander.
Eines Tages kam die Königin zu ihrem Mann und sagte: „Versöhne dich endlich wieder mit deinem Sohn! Vielleicht solltet ihr zusammen auf die Jagd gehen. Das tut ihr doch beide gern. Das könnte euch einander wieder näher bringen.“ Der König nahm ihren Vorschlag an und auch Jagomir war einverstanden. Und so ritten sein Vater, seine Freunde und der Jägermeister zusammen in den Wald.
Nach einer Weile entdeckten sie auf einer Waldlichtung einen prächtigen Hirsch. Die Jäger waren erfreut über eine solche Beute. Sie beschlossen sich aufzuteilen, da sie wohl so die besten Chancen hatten an das Tier heranzukommen.
Doch der Hirsch hatte Witterung aufgenommen und floh. Die Männer auf ihren Pferden eilten ihm, jeder aus seiner Richtung, hinterher.
Als er eine Weile geritten war, stieg der König ab um nach der Spur des Tieres zu suchen. Es raschelte und er sah sich um. Den Hirsch entdeckte er nicht, doch er hielt seine Armbrust bereit zum Abschuss. Als es wieder raschelte, schoss der König seinen Pfeil blitzschnell ab. Doch statt des Stöhnens eines Hirsches hörte er einen Aufschrei.
Er eilte zu der Stelle, auf die er gezielt hatte.
Dort lag ein junges Mädchen mit einem langen blonden Zopf. Es war von seinem Pfeil getroffen worden und Blut quoll aus der Wunde. Der König war entsetzt. Was machte denn auch ein junges Mädchen gerade hier und jetzt in seinem Wald? Er rannte zu der Stelle, wo sie lag, um ihr zu helfen.
Diane war ganz blass geworden und schwer atmend bat sie ihn um Wasser. Der König zögerte nicht und gab ihr seine Flasche.
Inzwischen, vom Schrei alarmiert, waren auch die restlichen Reiter angekommen. Jagomir stieg vom Pferd und eilte zu seiner Liebsten. „Was hast du getan? Vater, was hast du getan?“ schrie er verzweifelt seinen Vater an. Dieser konnte vor Schreck nicht antworten. „Sie ist meine Liebste und die Frau die ich heiraten wollte!“ sprach Jagomir weiter und Tränen stiegen in seine Augen. Diane lächelte Jagomir an. Zu mehr hatte sie keine Kraft. „Schert euch alle fort und lasst mich mit ihr allein!“ schrie der Prinz.







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Zögerlich richtete sich sein Vater auf. Er begriff immer noch nicht recht, wie dass alles geschehen konnte. Aber er sah auch, dass es wohl besser war, seinen Sohn mit seinem Kummer allein zu lassen und so ritten er und die restlichen Jäger langsam zurück zum Schloss.
Jagomir hatte den Kopf von Diane in seinem Schoss gebettet und seine Tränen fielen auf ihr Gesicht. Er fühlte wie langsam das Leben aus ihr wich.
Plötzlich erschien das kleine Männlein, dem er das Leben gerettet hatte. Vorsichtig sprach er Jagomir an: „Prinz, ich möchte euch helfen und mein Versprechen einlösen, welches ich euch gab!“ Jagomir hatte den Zwerg schon ganz vergessen. Erstaunt fragte er ihn: „Wie willst du mir helfen? Sie liegt im Sterben!“ „Ich kann leider ihre Wunde nicht heilen. Doch es gibt noch einen Weg wie ich sie retten kann.“ sagte das Männlein und begann plötzlich den Körper von Diane mit einem silbrig glänzenden Faden einzuspinnen. Jagomir schaute ihm verwundert zu. Nach einer Weile war sie in einen großen Kokon eingesponnen.
„Nun halte Wache bei ihr. Meine Schuldigkeit ist hiermit getan. Leb wohl!“ sagte das kleine Männlein zu Jagomir und verschwand.
Der Prinz hielt nun Tag und Nacht Wache. Er baute sich eine kleine Hütte, damit er den Kokon und sich vor Kälte und Regen schützen konnte.
Eines Morgens wurde er von einem knisternden Geräusch geweckt. Der Kokon bewegte sich und wieder war ein leises Knistern zu hören. Ein Riss war zu sehen, der immer größer wurde und plötzlich schlüpfte ein wunderschöner Schmetterling aus dem silbrigen Kokon. Er flatterte um die Hütte und um den jungen Prinzen herum. Jagomir war sprachlos. Noch nie hatte er einen so schönen Schmetterling gesehen. Seine Flügel waren von einer goldgelben Farbe und schillerten und funkelten im Sommerlicht. Jagomir wurde es warm ums Herz. Dieser Schmetterling konnte nur seine Diane sein! Er fühlte es.
Den ganzen Sommer verbrachte Jagomir im Wald und lebte von der Jagd, Beeren und von Pilzen. Und immer flog der Schmetterling an seiner Seite. Der Prinz war glücklich, trotz seines einfachen Lebens.
Als langsam der Herbst kam und die ersten Blätter von den Bäumen fielen, war der Schmetterling auf einmal verschwunden. Jagomir suchte nach ihm – fand ihn aber nicht und plötzlich begriff er, was geschehen war. Die Natur hatte sich die Schönheit des Schmetterlings zurückgeholt. Doch Jagomir war nicht traurig, denn er konnte immer noch das Glück und die Liebe in seinem Herzen fühlen.
Er sattelte sein Pferd und ritt nach Hause zum Schloss. Bei seiner Ankunft sah ihn sein Vater ängstlich und von Kummer gezeichnet an. Er hatte unter schrecklichen Vorwürfen gelitten und geglaubt, er habe seinen Sohn für immer verloren.
Jagomir ging auf ihn zu, umarmte ihn und sagte: „Ich vergebe dir Vater!“. Der König sank auf seine Knie und brach in Tränen aus. Der Prinz half seinem Vater auf und lächelte ihn an.
Nach einigen Jahren, als die Zeit des Königs gekommen war, wurde Jagomir König.
Und er wurde ein guter König, da er immer noch die Liebe seiner Diane in sich trug.

ENDE