Der Regenbogenschatz
Der Regenbogenschatz
In einem wunderschönen Land mit dichten Wäldern, hohen Bergen und fruchtbaren Tälern herrschte der König Visall. Dieser war gierig und eitel, ebenso seine Königin Barella und seine Tochter Ludmilla. Zu seinen Untertanen war er oft unfreundlich und ungnädig und keiner von ihnen arbeitete gern im Schloss. Der König hatte aber auch eine Schwäche für gutes Essen und wollte nur den besten Koch in seiner Küche. Viele Köche waren bisher in Ungnade gefallen, doch der Koch Filius arbeitete schon lange zur Zufriedenheit der königlichen Familie, denn er verstand sich darauf, die Wünsche König Visalls zu erfüllen. Der Koch hatte einen Sohn, Jacob, der als seine rechte Hand mit ihm in der Schlossküche Tag ein, Tag aus, arbeitete. Des Nachts schliefen die Beiden auf der noch warmen Ofenbank. Sie aßen von dem vielen Essen was übrig blieb und hatten ein gutes Auskommen.
An einem kühlen Wintermorgen, an dem die ersten Schneeflocken gefallen waren, hörte Jakob vor dem Küchenfenster ein jämmerliches Piepsen. Er schaute nach draussen und sah eine kleine Amsel im Schnee wild umherflattern. Doch davonfliegen konnte sie nicht, denn ein Flügel war verletzt. Jacob bekam Mitleid. Er ging in die Kälte hinaus, hob den kleinen Vogel auf und brachte ihn in die warme Küche. „Was willst du mit dem jämmerlichen kleinen Ding?“ fragte ihn sein Vater und schüttelte mit dem Kopf. „Ich werde ihn gesund pflegen, denn bei diesem Wetter wäre er in wenigen Stunden mausetot.“ Jacob bastelte der kleinen Amsel einen Käfig aus Weidenruten, die er aufgehoben hatte um das Feuer im Ofen anzuschüren. Jeden Tag bekam sie ein paar Getreidekörner als Futter und zwitscherte zum Dank die schönsten Lieder. So hatte auch der Koch Filius nichts mehr gegen den kleinen Gast.
Der König plante ein großes Fest zum Geburtstag seiner Gemahlin, zu dem er die Könige und Königinnen der Nachbarländer eingeladen hatte. Dafür sollten nur die köstlichsten Speisen aufgetafelt werden. Der Koch Filius, Jacob und die anderen Küchengehilfen hatten alle Hände voll zu tun, um alles vorzubereiten. Sie bekamen kaum Zeit zum Schlafen und waren so müde, dass Jacob versehentlich in den Kuchenteig Salz statt Zucker gab.
Das Fest war im vollen Gange und die Gäste hatten Ihre Freude. Sie genossen das reichliche Essen und den guten Wein. König Ardon, der im westlichen Nachbarkönigreich regierte, saß neben Visall und amüsierte sich köstlich. „Wisst Ihr, mein königlicher Freund, was man sich in unseren Dörfern erzählt? Es soll einen mächtigen und riesigen Schatz am Ende eines Regenbogens geben! Haha, nur ist noch nie einer bis zum Ende des Regenbogens gekommen. Diese dummen Bauern erzählen sich einen Humbug und träumen vom großen Reichtum. Vielleicht wollen sie mir damit mein Königreich abkaufen?“ König Ardon klopfte sich dabei auf die Schenkel und begann schallend zu lachen. Visall hingegen war bei dem Wort „Schatz“ hellhörig geworden und in seinem Kopf arbeitete es. Die Frau von Ardon, Königin Annix, wollte zum Dessert von dem Kuchen probieren. Doch als sie den ersten Bissen im Mund hatte, spie sie ihn sofort wieder aus und wurde rot vor Zorn. Sie schrie: „Wollt Ihr uns vergiften? Dieser Kuchen ist ungenießbar, so eine Unverschämtheit! Wir reisen sofort ab!“ Es wurde ganz still im Festsaal und im nächsten Moment machten sich auch die übrigen Gäste auf, abzureisen. Der König bat alle händeringend um Verzeihung, doch umsonst. Die Kutschen fuhren eilig davon. König Ardon, dem die lustige Stimmung vergangen war, rief noch König Visall zu: „Seid froh, wenn ich Euch nicht den Krieg erkläre! So schnell werdet ihr mich hier nicht wieder sehen!“
Kaum war die letzte Kutsche davon gefahren, lief der König wutentbrannt in den Festsaal zurück: „Bringt mir sofort den Koch her!“ schrie er und eilig liefen die Wachen in die Küche um Filius zu holen.
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Dieser wusste nicht wie ihm geschah, bis er sich vor dem König wieder fand. „Du elender Hund! Du wolltest mich und meine Gäste vergiften! Das sollst du mir büßen!“ brüllte Visall seinen Koch an. Dieser sah zitternd mit fragenden, entsetzten Augen zu ihm auf. „Aber mein König, so etwas würde ich doch nie tun! Ich habe euch schon so viele Jahre treu gedient!“ sprach Filius. „Der Kuchen war vergiftet! Ihr werdet augenblicklich in den Kerker gesperrt!“ brüllte der König weiter und die Wachen führten den armen Filius ab. Jacob, der sich hinter einer Tür versteckt und alles mit angehört hatte, erschrak. Da er den Kuchen gebacken hatte, war es seine Schuld, dass etwas damit nicht in Ordnung war. Traurig ging er hinunter in den Küchenkeller und sann darüber nach, was er wohl tun könnte. Er wollte den König um Gnade für seinen Vater bitten. Er wartete ab bis es Abend wurde und die Wut des Königs etwas nachgelassen hatte. Dann ging er zum König, machte eine tiefe Verbeugung und sprach: „Mein verehrter König, ich bitte um Gnade für meinen Vater. Er würde Euch nie ein Haar krümmen und hat Euch immer treu gedient. Was immer auch geschehen ist, war gewiss nicht seine Schuld! Bitte, ich tue alles was ihr verlangt!“ Der König saß auf seinem Thron und blickte mürrisch umher. Doch dann viel ihm etwas ein und sein Gesicht bekam einen listigen Ausdruck. „So, du willst also alles dafür tun, um deinen Vater frei zu bekommen?! Nun denn, dann bringe mir den Schatz der sich am Ende des Regenbogens befindet und ich lasse deinen Vater frei.“ „Einen Schatz soll ich für Euch finden?“ sprach Jacob entsetzt. „Aber wie soll ich das anstellen?“ „Dies ist allein dein Problem! Entweder bringst du den Schatz oder dein Vater bleibt eingesperrt, vielleicht bis zu seinem Tode!“ sagte der König. Jacob verlies mit hängendem Kopf den Saal und setzte sich nachdenklich auf die Ofenbank.
Die kleine Amsel, die Jacob gerettet hatte, sah auf ihn und begann ganz plötzlich zu sprechen: „Lieber Jacob, warum bist du so traurig?“
Erschrocken über die sprechende Amsel antwortete Jacob: „Kleines Amselchen, du kannst mich verstehen?! Ach ich habe solchen Kummer! Der König hat meinen Vater eingesperrt und lässt ihn erst wieder frei, wenn ich ihm den Schatz besorge, der am Ende des Regenbogens vergraben liegt. Doch das ist doch nur eine Legende! Wie soll ich also jemals meinen Vater frei bekommen?“
Da flog die kleine Amsel aufgeregt umher und rief: “Lass mich frei, ich kann dir helfen!“ Jacob öffnete die Käfigtür und die kleine Amsel flog auf seine Schulter. „Den Schatz gibt es tatsächlich.“ zwitschert sie. „Er wird von den Regenbogenfeen bewacht. Diese Feen sind schwer zu finden. Sie treffen sich gemeinsam im Norden, um zu tanzen und zu feiern. Die Menschen dort sehen sie als Polarlichter am Himmel. Meine Vogelfreunde haben mir berichtet, die Feen seien dort zu finden, wo auch die Farben dieser Welt sind. Nimm mich einfach mit auf deine Suche, vielleicht kann ich dir helfen!“ „Gut, liebes Amselchen, machen wir uns auf den Weg.“ sprach Jacob entschlossen. Die beiden packten etwas Reiseproviant ein und eilten aus dem Schloss, hinaus in die weite Welt.
Nachdem sie tagelang ziellos umhergeirrt waren und nicht wussten, wo sie anfangen sollten zu suchen, machten sie abends an einem Baum Rast. Sowohl die kleine Amsel, als auch Jacob fielen vor Erschöpfung in einen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen, ganz in der Früh, weckte zuerst die Amsel auf. Sie sah, wie gerade die Sonne in einer wunderschönen Morgenröte aufging. Plötzlich erspähte sie in der Röte der Sonne etwas, das wie wehendes Haar aussah und bei genauerem Hinsehen, sah sie eine schimmernde Gestalt, die auf sie zukam. Laut zwitschernd weckte sie Jacob. „Ich bin die rote Regenbogenfee. Ich hörte dass ihr nach mir sucht.“ sagte sie freundlich und ihr rotes Kleid flatterte im Wind.
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Jacob war wie versteinert, so schön kam ihm die Fee vor. Die kleine Amsel erinnerte ihn aber an ihr Ansinnen und Jacob erzählte der roten Fee seine Geschichte. Als er damit geendet hatte sagte die rote Regenbogenfee: „Meine fünf Schwestern und ich hüten den Regenbogenschatz. Aber wo er ist, weiß nur meine jüngste Schwester, die violette Fee. Doch um zu ihr zu gelangen musst du auch meine anderen Schwestern aufsuchen, da ein jeder von uns nur weiß wo die nächst jüngere ist. Doch wo sich meine Schwester, die orange Fee aufhält, werde ich dir nur sagen, wenn du eine Prüfung bestehst. Ich muss sicher sein, dass du ein guter Mensch bist. Hinter dem nächsten Wald wohnt ein alter Mann mit seiner Frau. Ich sehe jeden Morgen wie er sich abplagen muss, sein Feld zu bestellen. Nun ist das Korn reif. Hilf ihm, die Ernte einzufahren, dann werde ich dir weiterhelfen.“
Gesagt, getan. Jakob machte sich mit seiner Amsel auf den Weg zu dem älteren Ehepaar und bot seine Hilfe bei der Ernte an. Diese waren hocherfreut über den unverhofften Helfer. Und nach drei Tagen war die Ernte eingebracht. Am Abend des dritten Tages erschien die rote Fee: „Du hast wirklich sehr fleißig gearbeitet. Du musst ein rechtschaffener Mensch sein. Um zu meiner Schwester zu gelangen, musst du nach Süden reisen, wo die Orangenbäume wachsen. Viel Glück!“ sprach sie und war sogleich wieder verschwunden. Jacob verabschiedete sich von den Alten und machte sich mit einem frisch gefüllten Proviantbeutel wieder auf den Weg.
Nach zwei Wochen des Wanderns erreichten sie den Süden. „Schau Amselchen“, rief Jacob „Das müssen Orangenbäume sein. Die Früchte sind schon reif.“ Sie waren auf einer riesigen Plantage angekommen, wo hundert dieser wunderschönen Bäumchen wuchsen. Sie hielten Rast und schliefen ein. Als sie aufwachten, stand eine wunderschöne Frau vor Ihnen, mit kupfergoldenem Haar und einem wunderschön orangefarbenen Kleid. „Ich bin die orange Fee. Ich habe von meiner ältesten Schwester gehört, dass ihr mich sucht. Was kann ich für Euch tun?“ sprach sie freundlich und Jacob bestaunte ihre Schönheit. Die Amsel indessen erzählte der Fee ihre Geschichte. „Ich kann Euch wohl sagen, wo meine jüngere Schwester, die gelbe Fee lebt. Doch vorher bitte ich Euch, eine Aufgabe zu erfüllen. Diese Plantage gehört einer Frau, deren Mann und Söhne in den Krieg ziehen mussten. Sie hat niemanden der ihr hilft, die reifen Früchte zu ernten. Hilf du ihr bei der Ernte und beim Verladen der Orangen auf ein Schiff, welches die Früchte in alle Welt bringen wird. Dann werde ich wiederkommen und dir weiterhelfen.“
Gesagt, getan. Jacob und die kleine Amsel machten sich an die Arbeit und halfen der Plantagenbesitzerin beim pflücken. Auch die Amsel half mit. Sie pickte die Stiele der Orangen durch und die Früchte fielen in den Korb. Nach drei Wochen war die Arbeit vollbracht. Die orange Fee erschien: „Ihr habt ein gutes Werk getan. Nun hat die Frau ihr Auskommen, bis ihre Söhne und ihr Mann zurückkehren. Zum Dank sage ich dir, wo du meine Schwester, die gelbe Fee findest. Ihr müsst weiter in den Süden reisen, bis zu einem Punkt wo die Sonne am höchsten im Zenit steht. Dort werdet ihr meine Schwester finden.“ sprach sie und war sogleich wieder verschwunden. Jacob erhielt noch neuen Proviant von der Plantagenbesitzerin und machte sich mit seiner Amsel auf den Weg weiter in den Süden.
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Viele Tage wanderten die Beiden umher und es wurde immer wärmer und heißer, je näher sie ihrem Ziel kamen. Nun waren sie in einem Land angekommen, wo es fast nur Wüste gab. Als sie endlich eine kleine Oase gefunden hatten, schliefen sie wieder vor Erschöpfung ein. Des Mittags, als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, wachten sie auf und vor ihnen stand ein wunderschönes Wesen, mit goldfarbenen, langen Haaren und einem leuchtend gelb schimmernden Kleid. „Ich bin die gelbe Fee. Ich hörte schon von meiner älteren Schwester, dass ihr auf der Suche nach mir seid.“
Jakob fasste sich wieder und sprach: „Wir müssen den Regenbogenschatz finden, um meinen Vater zu retten, bitte hilf uns!“ „Gern will ich Euch weiterhelfen, doch vorher müsst ihr eine Prüfung bestehen. Etwas weiter westlich hat sich ein Hirte mit seiner Ziegenherde verirrt. Helft ihm, den Weg zur Oase zu finden, sonst werden er und seine Tiere jämmerlich verdursten.“
Gesagt, getan. Als die Fee verschwand, liefen Jakob und seine Amsel Richtung Westen. Zum Glück hatte Jakobs Vater ihm beigebracht, dass die Sonne im Westen untergeht und so mussten sie einfach nur dem Weg der Sonne folgen. Nach einer Weile piepste die Amsel aufgeregt: „Schau mal Jakob, ich glaube da ist die Herde!“ Und tatsächlich hatten sie die müde, abgekämpfte Herde samt Hirten gefunden. „Folge mir“, sprach Jakob. „Ich werde dich zu einer Wasserstelle führen, wo deine Tiere und du ihren Durst stillen können.“ Der Hirte, der schon geglaubt hatte, sein Ende sei nah, war überglücklich und mit neuem Antrieb folgte er Jakob und sie erreichten nach einem Tag die Oase.
Mensch und Tier tranken bis der Durst gestillt war und gaben sich erschöpft der Nachtruhe hin. Am nächsten Morgen zog der Hirte weiter, nicht ohne sich vorher bei seinem Retter bedankt und ihn ausreichend mit getrocknetem Ziegenfleisch versorgt zu haben.
Pünktlich zur Mittagsstunde erschien die gelbe Fee. „Du hattest keine Angst, dein Leben zu riskieren um anderen zu helfen, so werde auch ich dir helfen. Ziehe zurück Richtung Norden bis du zu einem hohen Gebirge kommst. Wenn du dort angekommen bist wird es später Frühling sein. Dann sind die Bergwiesen grün und saftig und du wirst meine jüngere Schwester, die grüne Fee finden. Viel Glück auf Deinem Weg!“
„Also dann, liebes Amselchen, machen wir uns wieder auf den Weg.“ sagte Jakob und sie wanderten weiter und sangen unterwegs die schönsten Lieder um sich ein wenig die Zeit zu vertreiben.
Als sie endlich die Berge erreichten war es tatsächlich schon Frühling. Die kleine Amsel fühlte sich auf einmal besonders wohl in Mitten der vielen zwitschernden Vögel und bunten Blüten überall. Sie kletterten auf einen hohen Berg mit einer prächtigen Wiese und machten Rast um sich zu stärken. Auf einmal hörten sie ein Lachen und als sie sich umsahen, kam ein wunderschönes Mädchen auf sie zu. Sie hatte außergewöhnlich hellgrünes Haar, und ein Kleid so samtig wie Moos. Jakob und die Amsel strahlten sie erwartungsfroh an. „Ich bin die grüne Fee. Ihr habt nach mir gesucht und mich gefunden. Wie kann ich Euch helfen?“
„Liebe Fee“, sprach Jakob. „Wir sind auf der Suche nach dem Regenbogenschatz. Bitte hilf uns, ihn zu finden!“ „Ich werde Euch gern weiterhelfen, doch vorher müsst ihr mir eine Bitte erfüllen. Findet auf meiner Wiese ein vierblättriges Kleeblatt, dann geht ins nächste Bergdorf und schenkt es dort dem unglücklichsten Menschen. So gebt ihr ihm neue Hoffnung.“
Gesagt, getan.
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Jakob und die Amsel begannen nach dem Kleeblatt zu suchen. Doch nirgends gab es eines mit vier Blättern. Doch nach einer Woche hatten sie endlich eines gefunden und hielten es wie einen Schatz in den Händen. Sie liefen zum nächsten Bergdorf. Dort angekommen, hielten sie Ausschau nach einem besonders unglücklichen Menschen. Alle Leute im Dorf schienen mit ihrem Leben zufrieden zu sein, doch plötzlich am Ende des Dorfes saß im Schatten eines Baumes ein armer Mann zusammengekauert. Jakob ging auf ihn zu und sagte: „Hey, alter Mann, was sitzt du hier so abseits allen Dorflebens?“ „Ach was weißt du schon vom Leben, junger Kerl?! Ich bin ganz allein. Meine Frau ist vor Kurzen gestorben und meine Tochter ist mit ihrem Mann fortgezogen. Mein Häuschen ist vorgestern abgebrannt und meine Kuh und meine Ziege sind davongelaufen. Warum sollte ich also nicht hier sitzen und mein Elend bedauern?“
Da lächelte Jakob den alten Mann an und sprach: „Ich habe etwas für dich – ein vierblättriges Kleeblatt, es wird dir Glück bringen!“ Der Mann sah ihn verblüfft an, dann lächelte auch er, nahm das Kleeblatt und es begann neue Hoffnung in ihm zu wachsen. Er machte sich daran sein Leben neu zu beginnen. Jakob und seine kleine Freundin, die Amsel, liefen zurück zur Bergwiese, wo die grüne Fee bereits auf sie wartete. Freundlich sprach sie: „Ihr habt eure Sache gut gemacht. Nun werde ich euch verraten, wie ihr meine jüngere Schwester, die blaue Fee, findet. Geht weiter in Richtung Westen bis ihr zu einem großen Ozean kommt.“ sprach sie und war auch gleich verschwunden.
Erneut und frohen Mutes machten die beiden sich wieder auf den Weg.
Nachdem sie einige Wochen gewandert waren, konnten sie es auf einmal hören, das Rauschen des Meeres. Und ein paar Meter weiter waren sie überwältigt von dem Anblick der sich ihnen bot. Das Wasser erstreckte sich bis zum Horizont und schien auch dahinter kein Ende zu finden. Sie liefen zum Strand und ließen sich das Wasser um ihre Füße gleiten. „Ist es hier nicht schön?“ fragte die Amsel Jakob. „Wunderschön!“ antwortete Jakob. Weit und breit war außer ihnen niemand zu sehen. Doch plötzlich hörten sie eine Stimme hinter sich. „Ich bin die blaue Fee, ich hörte dass ihr mich sucht. Wie kann ich Euch helfen?“ sprach ein wunderschönes Mädchen, mit hellblauen langem Haar und einem tiefblauen Kleid, das silbrig, wie kleine Fischschuppen im Licht schimmerte.
Jakob sah sie freudig an: „Wir sind auf der Suche nach dem Regenbogenschatz. Wir brauchen ihn, um meinem Vater zu retten. Wir bitten um deine Hilfe.“ „Gern werde ich Euch helfen.“ sprach die Fee. „Doch vorher brauche ich eure Hilfe. In einem Fischerdorf in der Nähe ist eine schwere Krankheit ausgebrochen. Nun kann kaum jemand aufs Meer hinausfahren um zu fischen. So muss das Dorf hungern und kann nicht gesund werden. Die Abgaben an den König sind auch auszurichten. Hilf dem Dorf in seiner Not, so werde auch ich dir helfen.“
Gesagt, getan.
Die Amsel flog davon um nach dem Fischerdorf zu suchen. Als sie es gefunden hatte, kam sie zurück um Jakob den Weg zu weisen.
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Das Dorf bot einen erbärmlichen Anblick. Überall waren kranke Menschen und nur wenige die sie pflegen konnten. Jakob sprach eine alte Frau an: „Mütterchen, ich möchte Euch gerne helfen, doch dafür gebt mir ein Boot und ein paar Fangnetze.“ Die Alte war erstaunt und erfreut über soviel Hilfsbereitschaft und zeigte ihm das Boot ihres Mannes. „Hier, das kann ich dir leihen und nimm auch die Netze dazu. Doch bevor du sie verwenden kannst, müssen sie noch geflickt werden. Komm ich zeig dir wie es geht.“ sprach sie, setzte sich auf einen Schemel und zeigte Jakob wie man Fischernetze flickt. Die Amsel die ebenfalls gut aufgepasst hatte, machte sich nützlich und spannte Jakob den Faden ein. Nach drei Tagen waren die Netze repariert und Jakob fuhr das erste Mal hinaus aufs Meer. Die Amsel hielt oben am Himmel Ausschau nach einem Fischschwarm. Nachdem sie ihn entdeckt hatte, konnten sie reiche Beute machen.
Die kleine Amsel und Jakob fuhren drei Wochen lang jeden Tag aufs Meer und die Menschen im Dorf hatten endlich wieder etwas zu essen. Nach und nach wurden sie wieder gesund und es blieb sogar etwas übrig um die Abgaben an den König zu entrichten. Ein Fest wurde veranstaltet und Jakob als Held gefeiert.
Am nächsten Tag machte sich Jakob wieder auf zum Strand, wo ihm die blaue Fee erschienen war. Er musste nicht lange warten. Sie lächelte ihn an und sprach: „Du hast wirklich Großes vollbracht und ich will dir sagen wie du meine jüngste Schwester, die violette Fee findest. Dafür bleibe hier an diesem Ort. Schaue auf den Horizont und warte dass es Abend wird.“
Kaum war das letzte Wort gesprochen, war die blaue Fee verschwunden.
Jakob und seine Amsel, die sehr müde und erschöpft von den vielen Reisen und den Aufgaben waren, setzten sich einfach in den noch warmen Sand, ruhten sich aus und warteten gespannt darauf dass es Abend wurde. Die Sonne sank immer weiter herab und berührte nun den Horizont und der Himmel färbte sich erst rot und dann in einem wunderschönen Violett. Die Amsel sang leise ein Abendlied. Da erschien plötzlich vor ihnen die violette Fee, die jüngste der sechs Schwestern. Sie war wohl von Allen die Schönste, fand Jakob. In ihrem langen rotvioletten Haar hatte sie einen Kranz aus Lavendel und ihr Kleid hatte alle Farben der Abenddämmerung. Freundlich blickte sie die Beiden an: „Guten Abend. Wie ich hörte habt ihr eine lange beschwerliche Reise hinter Euch. Meine Schwestern hatten nur Gutes zu berichten. Ich weiß dass ihr auf der Suche nach dem Regenbogenschatz seid. Ich bin die Hüterin dieses Schatzes. Doch bevor ich verrate wo ihr ihn findet, musst du, Jakob, mir eine Frage beantworten: Wen oder Was hast Du am liebsten auf der Welt?“ Jakob, der froh war nicht noch eine schwere Aufgabe erledigen zu müssen, antwortete leichten Herzens: „Mein guter Vater ist mir das Wichtigste und meine treue Freundin die Amsel.“ Da lächelte die Fee erneut. „Das ist eine gute Antwort. Nicht jeder ist in der Lage den Schatz zu finden, doch du bist es. Schlaf dich heute Nacht gut aus. Morgen wird ein Unwetter mit Sturm aufziehen. Doch habe keine Angst und flüchte nicht. Warte bis der erste Sonnenstrahl durchbricht, dann wirst du einen Regenbogen sehen. Gehe auf sein Ende zu und laufe einhundert Schritte. Dann fange im Sand an zu graben und du wirst deinen Schatz finden.“
Gesagt, getan.
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Nachdem die Fee verschwunden war, legte sich Jakob am Strand schlafen und auch die Amsel schlief ein.
Am frühen Morgen wurden sie von einem heftigen Donnergrollen geweckt. Dicke dunkle Wolken verdeckten den Himmel. Der Wind wurde immer stärker und peitsche ihnen die ersten Regentropfen ins Gesicht. Es blitzte und krachte, dass es einem Angst und Bange wurde. Doch tapfer hielten beide stand. Gegen Mittag beruhigte sich das Wetter langsam wieder und plötzlich fielen die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken. Jakob und die Amsel sahen einen wunderschönen kräftig bunten Regenbogen vor sich.
Sie schauten nach rechts zum Ende des Regenbogens. Dann zählten sie einhundert Schritte ab und Jakob fing an mit seinen Händen zu graben.
Nach kurzer Zeit stieß er auf eine harten Untergrund, eine sehr alte Truhe. Er grub sie aus und die Amsel zwitscherte ganz aufgeregt.
Da erschien die violette Fee erneut. „Öffne die Truhe ruhig und sieh hinein.“
Langsam schob Jakob den Riegel nach oben und hob den Deckel an. Zu seinem Erstaunen war die Truhe leer. Doch plötzlich empfing ihn ein Nebel und er war umgeben von den schönsten Gefühlen, von tiefer Liebe, Glück und Mitgefühl. Er nahm die violette Fee bei der Hand und tanzte mit ihr vor Freude. Die Fee lachte und sprach: „ Siehst Du Jakob, nicht Gold ist der größte Schatz auf Erden, sondern das Glück und die Liebe. Und deshalb konnte nur jemand wie du diesen Schatz finden.“
Da sagte Jakob: „Jetzt muss ich aber so schnell wie möglich nach Hause, um meinen Vater zu retten.“ „Leg Dich ruhig schlafen und ruhe dich aus. Morgen früh wirst du bei deinem Vater sein.“ sprach die Fee und verschwand wieder. Der kleinen Amsel und Jakob fiel es nicht schwer einzuschlafen nach all den Abenteuern die sie erlebt hatten und so fielen sie in tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen, als sie erwachten, lagen sie unter einem Baum auf einer Wiese und konnten ganz in der Nähe das Schloss von König Visall sehen. Die Schatztruhe stand neben ihnen. So machten sie sich auf den Weg zum Schloss. Der alte Schlosswächter erkannte Jakob und war erstaunt ihn wieder zu sehen, nach so langer Zeit.
Auch der König, den sie im Thronsaal vorfanden, hatte geglaubt, dass Jakob sich für immer aus den Staub gemacht hätte.
„Seht her, Herr König! Dies hier ist der berühmte Regenbogenschatz! Ich bin um die halbe Welt gereist um ihn zu finden.“
Der König starrte skeptisch aber auch neugierig auf die alte Truhe, die Jakob ihm vor die Füße gelegt hatte. Inzwischen waren auch die Königin und die Prinzessin Ludmilla dazugekommen. Der König öffnete vorsichtig den Riegel. Er wollte gerade wütend aufschreien, da sie leer war, als ihn der Nebel umfing und plötzlich Glück, Freude und Liebe ihn erfüllten und er lächelte und entspannte sich. Der Nebel breitete sich weiter aus, erfasste Königin Barella und die Prinzessin. Dann verteilte er sich im Schloss und zog weiter durch das ganze Königreich.
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„Nun mein König“, sprach Jakob. „Ich habe den Teil meiner Abmachung erfüllt. Nun seid ihr an der Reihe. Lasst meinen Vater frei.“
„Aber natürlich“, sagte der König, der nun ganz von Mitgefühl und Liebe erfüllt war. „Er soll sofort freigelassen werden!“ rief er den Wachen zu, die in den Kerker liefen um den Koch zu holen.
Als dieser kam, fiel er glücklich und erleichtert seinem Sohn in die Arme.
„Ich muss mich bei euch entschuldigen.“ sprach der König zu den beiden. „Ich habe euch unrecht getan. Ich möchte es wieder gut machen. Ich schenke euch ein Stück meines Königreiches und mache dich, Jakob zu einen Grafen und du sollst meine Tochter Ludmilla zur Frau bekommen!“
„Vielen Dank, Herr König! Doch ich möchte weder eurer Land, noch eure Tochter. Denn ich habe mich schon in eine andere Frau verliebt.“
„Wie Du willst.“ sagte der König.
Jakob nahm seinen Vater bei der Hand und sie zogen wieder Richtung Meer. Die Amsel begleitete sie und sie sangen zusammen des Weges, um sich die Zeit zu vertreiben. Als sie an dem alten Fischerdorf angekommen waren, wo Jakob geholfen hatte, wurden sie wie Könige empfangen. Jakob ging zum Strand, wo er die Truhe gefunden hatte. Dort setzte er sich in den Sand und wartete dass die Abenddämmerung aufzog. Als sich der Himmel rotviolett färbte, erschien die violette Fee erneut vor ihm. „Jakob, du bist zurückgekehrt!“ stellte sie verwundert fest. „Ja, meine liebe Fee. Ich bin wegen dir zurückgekommen. Ich möchte das du meine Frau wirst.“ Da fiel die Fee ihm lachend in die Arme.
Sie bauten sich mit Hilfe der Bewohner ein wunderschönes Haus am Rande des Fischerdorfes und lebten dort glücklich mit seinem Vater Filius und der kleinen Amsel zusammen.
Im Königreich von Visall herrschte von nun an Frieden und Glück und er wurde ein guter und gerechter König.
ENDE