Ludwig Bechstein zählte zu den beliebtesten und eifrigsten Märchenherausgebern des 19. Jahrhunderts. Er sammelte Märchen und Sagen vor allem im Umkreis seiner Heimat, in Thüringen, Franken und Böhmen, und setzte damit die noch junge Tradition fort, Überlieferungen aus dem Volksmund schriftlich zu fixieren. Im Gegensatz zu den Brüdern Grimm entnahm er viele seiner Märchenstoffe bereits gedruckten Quellen, um sie auf seine spätromantische Weise neu zu erzählen. Mit großer Freude am Fabulieren schilderte er das Märchengeschehen sehr lebendig und malte es breit aus. In seinen Märchen wechseln eine schlichte Erzählweise, die - seiner Auffassung nach - dem eigentlichen Märchenton entspricht, und ein gefühlvoller, manchmal gespreizter Stil. Charakteristisch für Bechsteins Märchen sind ferner witzige, humorvolle und parodistische Fügungen, ein moralisierender Unterton sowie treffende zeitkritische Elemente. Die Märchen der vorliegenden Ausgabe entstammen dem Deutschen Märchenbuch von 1845, Ludwig Bechsteins Märchenbuch von 1857 (der zweiten, von Ludwig Richter illustrierten Ausgabe) und dem Neuen Deutschen Märchenbuch von 1856.