Aschenpussel
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Aschenpussel

Cindy Aschenpussel hatte es nicht immer leicht im Leben. Als Aschenpudel oder Aschenbrösel wurde sie schon oft in der Schule gehänselt. Dann der nächste Schicksalsschlag. Als ihre Mutter vor einigen Monaten mit dem Nachbarn durchbrannte, war Cindy alleine mit ihrem Vater in der großen Villa am Rande der Stadt.
Da ihr Vater aber des Öfteren für mehrere Tage geschäftlich verreisen musste, ergab sich ein neues Problem für die Aschenpussels. Das Jugendamt stellte bereits Nachforschungen an, ob und wie lange Cindy im Monat ohne Erziehungsberechtigte lebte.
Doch da hatte Herr Aschenpussel eine verhängnissvolle Idee, die Cindys Leben gravierend verändern sollte. Er heiratete kurzer Hand eine ausländische Mitbürgerin aus einem Ost-Europäischen EU-Land, die zwei weitere Mädchen mit in die Ehe brachte. Patchwork-Familie nennt man das heute. Nichts besonderes halt, wenn es sich nicht gerade (so wie in diesem Fall) um eine Scheinehe handelte.
Sicherlich waren die Aschenpussels die Sorgen mit dem Jugendamt los, aber andere Sorgen machten Cindys Leben schwerer als je zuvor.

Wegen einer schweren Unterleibserkrankung auf einer Geschäftsreise in Thailand konnte Herr Aschenpussel für längere Zeit das Krankenhaus in Bangkok nicht verlassen. Cindy war für unbestimmte Zeit mit ihrer Stiefmutter und den beiden Stiefschwestern alleine. Ein Zustand, der von Tag zu Tag unerträglicher wurde. Nach der Schule durfte Cindy den kompletten Haushalt führen. Waschen, Kochen, Bügeln, Putzen und Einkaufen gehörten zu ihren Aufgaben, während ihre stiefelige Familie deutsche Gemütlichkeit demonstrierte.
Als dann eine Einladung des Bürgermeisters für eine Halloween-Party ins Haus flatterte, putzten sich die Neu-Aschenpussels kräftig raus, um sich in der gehobenen Gesellschaft der Stadt breit zu machen. Cindy dagegen bekam Hausarrest! Schließlich war die Konkurrenz groß und der Bürgermeister hatte nur den einen Sohn im heiratsfähigen Alter.
Doch Cindy war nicht dumm. Schließlich war es für sie nicht das erste Mal, dass Hausarrest anstand! Obwohl die Stiefmutter alle Türen doppelt verriegelte, gab es ja immer noch das kaputte Kellerfenster. Dank eines coolen Kostüms konnte Cindy so unerkannt an der Party teilnehmen.

Die Party war im vollen Gange. Bei fetziger Musik und alkoholischen Getränken hatten alle viel Spaß. Fieberhaft versuchten Cindys Stiefschwestern den Sohn des Bürgermeisters anzubaggern. Doch dieser hatte nur Augen für die schöne Unbekannte im coolen Kostüm. Völlig genervt verließen die Stiefschwestern kurz vor Mitternacht die Party.
Als Cindy dies bemerkte, musste auch sie schnellstens die Räumlichkeiten des Bürgermeisters verlassen.
"Gib mir deine Handynummer!" rief der Sohn des Stadtoberhauptes ihr noch nach, doch Cindy reagierte nicht auf seine Bitte. Enttäuscht senkte er den Kopf. Dabei fiel ihm ein kleiner Zettel auf dem Boden auf. Es handelte sich um eine 9-stellige Nummer, mit der er zunächst nichts anfangen konnte.
Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bürgermeisters alles Menschenmögliche, um die schöne Unbekannte anhand der Nummer ausfindig zu machen. Doch erst Kommissar Zufall half dem liebestollen Jüngling auf die Sprünge. Beim Googlen durchs Internet kam er mit dieser Nummer ins ICQ und fand so den Namen seiner Unbekannten heraus. Schnell noch registrieren lassen und dann an-"adden".
Nun hieß es warten auf Antwort...
Bereits am Abend verabredeten sich die Beiden für den folgenden Tag zu einem Milchshake ohne Sahne in eins der zahlreichen italienischen Eiskaffees der Stadt. Für Cindy war es der erste Lichtblick seit Tagen und sie genoss die Aufmerksamkeit des jungen Mannes. In den darauf folgenden Tagen benutzte Cindy des Öfteren das Kellerfenster, um die Beziehung zu vertiefen.
Nach einer weiteren Woche war Herr Aschenpussel wieder soweit genesen, dass er die Heimreise nach Deutschland antreten konnte. Bereits am Flughafen erzählte Cindy von den Taten ihrer Stiefmutter und deren Töchter. Noch am selben Tag einigten sich Herr Aschenpussel und seine "Noch-Frau" über eine üppige Abfindung. 24 Stunden später saßen die Drei bereits im Flieger Richtung Osten und wurden nicht mehr gesehen.
Aus Cindy und dem Sohn des Bürgermeisters wurde ein glückliches Paar, die mit Ina und Hannah zwei süße Kinder hatten (die manchmal aber auch Zicken sein konnten).
Herr Aschenpussel hat bis heute noch keine neue Beziehung. Er ist also noch zu haben: Horst Aschenpussel, 43 Jahre, 1,77 Meter groß, Idealgewicht von 80 Kg, keine Vorerkrankungen (mehr), 3.570 Euro netto monatlich.

Und wenn sie nicht gestorben sind ...