Aleks Frech
Das Märchen von Aleks Frech
Es war einmal vor nicht allzulanger Zeit, da lebte Junge in Frechen. Mit seiner Familie wohnte er in einem Hochhaus in Frechen–Königsdorf, direkt am frechen Bach, der die schöne Stadt durchfließt. Es ging ihm gut, er hatte genug zu essen, Spielzeuge, Kinderbücher, ein eigenes Zimmer und einen Spielecomputer. Mama und Papa waren immer lieb und Schwesterchen und Brüderchen waren nur manchmal frech zu ihm. Seine Eltern hatten ihm den schönen Namen Aleks gegeben, weil sie noch nicht wußten, was einmal aus ihm werden würde – ein großer Aleksander, nach dem Plätze und Städte und Länder genannt wurden, oder nur ein lieber kleiner Aleks-Kleks.
Mit Nachnamen hieß er Frech, weil seine Eltern auch so hießen. Aber er war eigentlich nicht frech und ein guter Junge, fast schon 9 Jahre alt. Nur eins machte seiner Familie ein bißchen Sorgen – er war ein ganz leseunlustiges Kind. Er wollte seinen eigenen Willen haben und nur lesen, wenn Texte in seinen Computerspielen auftauchten.
Eines Tages hatte er gleich nach der Schule den Computer eingeschaltet und gespielt und gespielt, bis es dunkel wurde und er erschöpft ins Bett fiel. Als er schlief, gab es eine große Konferenz in seinem Zimmer. Aus seinen Büchern sprangen die Sätze, Worte, Silben und Buchstaben hervor. Sie waren so betrübt, weil Aleks den ganzen Tag, ja die ganze Woche nichts mit Ihnen gespielt hatte. In der nächtlichen Konferenz übernahm das große Wort Mathematiker den Vorsitz: „So geht es nicht weiter! Wir wollen auch beachtet werden, wir wollen auch unseren Anteil an Aleks!“. Dann tuschelten sie in Gruppen, und endlich hatte Mathematiker einen Plan. Sie riefen alle Texte der Welt zu Hilfe, jedenfalls die deutschen und die englischen. Und obwohl Worte nicht viel Gewicht haben, es waren so viele, daß das Kinderzimmer voller und voller wurde und noch viele vor der Tür warten mußten. Und sie murmelten leise, aber da es so viele waren hatte Mathematiker Angst, daß Aleks erwachen könnte. Er pfiff das erste Signal, und die längsten Sätze der Welt gingen nach vorn, vorsichtig auf das Kinderbett zu. Sie hielten kurz inne, und banden dann mit einem Mal Aleksanders Beine und Arme am Bett fester und fester. Doch Aleks schlief und schlief. Dann kamen die Worte und begannen, ihn an der Nase zu ziehen, an den Ohrläppchen, den Fingern, den Haaren – überall. Aber Aleks schlief und schlief. Da traten die Buchstaben vor, und fingen an, ihn zu kitzeln, und nun wurde Aleks doch langsam wach. Er konnte nichts sehen und fragte müde: „Wer kitzelt mich? Bist Du das, Papa?“.
„Nein“ antwortete Mathematiker. „Wir sind es, die Buchstaben, Silben, Worte und Sätze der ganzen Welt. Wir sind alle traurig, daß Du nicht mit uns spielst.“
„Naja“ sagte Aleks höflich: „Ihr seid eben nicht so interessant wie die Computerspiele. Ich spiele lieber mit Mario, der ist so lustig.“
Da kam das Wort Mario zu ihm und sprach ihm ins Ohr. „Deinen Mario kenne ich wohl. Aber schon ein Teil von mir ist mehr als er. Mein Buchstabe M ist immer freundlich zu Dir, so freundlich, daß Du ihm jede Gestalt geben kannst. Wenn Du es willst, ist das M Mama, oder Mus, oder Marmelade oder ein Maikäfer oder tausend andere Dinge. Kann Dein Computer-Mario das auch?“
„Nein“ antwortete Mathematiker für Aleks, „Mario ist Mario. Du kannst ihn nicht größer machen, nicht kleiner machen, nicht anders machen. Deine Fantasie ändert ihn nicht, sondern er ändert Dich. Irgenwann wirst Du von den vielen Worten, die sich hier für Dich versammelt haben, nur noch eins kennen, das Mario.“
„Naja“ sagte Aleks. „Da habt ihr vielleicht recht. Aber ich bin jetzt so müde und möchte weiterschlafen“. „Natürlich“ sagte Mathematiker „Träum was Schönes.“, und während sich Aleks die Decke über den Kopf zog, zogen sich die Buchstaben, Silben, Worte und Sätze sachte zurück.
Die ganze Text-Welt war nun gespannt, wie es wohl mit Aleks Frech weiter gehen würde.
Und wie es wohl weiter ging! Kaum war Aleks erwacht, drückten seine Finger auf den Schalter, und der Spielecomputer fuhr hoch. Während dessen huschte Aleks schnell in die Küche und holte sich eine Schüssel Cornflakes mit Milch und viel Traubenzucker, und schon saß er vor dem Bildschirm und klickte „Deutschland spielt“ an. „Komische Träume hatte ich heute Nacht“ dachte er noch, da hatte er schon auf das Icon von „Farm Frenzy 3“ gedrückt. Die Frage „Skip Tutorial?“ tauchte auf, und Aleks mußte nachdenken. Dabei ging er immer näher an den Bildschirm und starrte auf das o in „Tutorial“. Dabei wurde das o immer größer und in der Mitte entstand ein Loch. Darinnen spielte ein Orang-Utan mit Orangen und winkte Aleks zu. Das o ging immer weiter auf, und schließlich konnte der Orang-Utan Aleks an die Hand nehmen und ihn ins o-Land bitten. Dort bekam Aleks sofort ockerfarbene Kleider und einen neuen Namen, nämlich Oleks, ein Frühstück aus Omelett und Oliven und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er vielleicht heute noch im o-Land, reitet ein Okapi und ist Oberlehrer von Beruf.
Wir denken aber, daß er rechtzeitig zur Schule wieder zurück war und nun jeden Tag ein anderes Land besucht. Vielleicht spielt er gerade mit den Braunbären im B-Land. Schaut doch mal nach!