Klara König war ein viel versprechendes Talent in der Leichtathletik. Als Kugelstoßerin hatte sie in der Jugend sämtliche Wettkämpfe gewonnen. Jetzt, wo sie bei den „Großen“ mit um die Medallien kämpfen sollte, mussten erst einmal einige zusätzliche Trainingseinheiten her. Klara hatte am heutigen Tag schon unzählige Stöße trainiert. Noch einen letzten Versuch, dann sollte Schluss sein für diesen Tag. Sie holte noch einmal Schwung und rutschte aus. Die Kugel flog in die falsche Richtung, direkt in eine offen stehende Kanalöffnung. Klara schaute den tiefen Schacht hinunter, konnte die Kugel aber nicht sehen. Heinrich, der gerade den neuen Rollrasen verlegte, hatte das Missgeschick beobachtet. Er schaute ebenfalls hinunter. „Die ist weg!“ seufzte er. Dabei lief es Klara kalt den Rücken runter. Heinrich war ein gut aussehender junger Mann, leider mit einem Handicap. Er war aus Überzeugung schwul. Hastig winkte er den Platzwart heran, der einige Meter weiter arbeitete. Froschi, wie er allgemein genannt wurde, war keine Schönheit - mit Pickeln im Gesicht und grün gefärbten Haaren. Er baggerte jede Frau an, hatte bis jetzt aber noch keinen Erfolg landen können. Klara erklärte ihm kurz was geschehen war. Froschi zuckte nur mit den Schultern. „Wir können eine Fachfirma beauftragen, bevor der Kanal verstopft ist. Das wird aber teuer!“ „Gibt es keine andere Möglichkeit?“ wollte Klara wissen. „Ich kann mit einer Leiter herunter steigen und versuchen die Kugel zu finden, wenn sie nicht zu weit ins Rohrsystem gerollt ist.“ Klara war froh, dass Froschi ihr helfen wollte. Leider hatte diese Hilfe einen Haken. Froschi verlangte von Klara ein „harmonisches Wochenende“. Nett ausgehen, schick essen gehen, romantischer Abend. Klara war nicht gerade begeistert von diesem deal, stimmte aber trotzdem zu. Am Samstag Abend holte Froschi Klara pünktlich ab. In einem netten Restaurant gab es ein „Drei Gänge Menü“ mit Kerzenlicht und Geigenduo. Klara war froh, als Froschi nach einer unendlichen Zeit bezahlte. Doch der Abend sollte noch lange nicht zu Ende sein. Ein romantisches Tanzlokal stand nun auf dem Programm. Während Froschi immer wieder versuchte, ganz nah mit Klara zu tanzen, war sie bemüht, einen gewissen Abstand zu bewahren. Als Kavalier der alten Schule bestand er anschließend darauf, Klara nach Hause zu bringen. Und vor der Haustür wollte er noch auf einen Absacker mit rein kommen. Etwas zögerlich stimmte Klara trotzdem zu. Dann kam die Masche mit dem „es ist schon spät, es fährt kein Bus mehr“. Froschi schwörte bei seiner Platzwartehre, dass er sich mit dem Sofa begnügen, und bei Sonnenaufgang den ersten Bus nach Hause nehmen würde. Auch hier ließ sich Klara notgedrungen auf den deal ein. Vorsichtshalber schloss sie aber noch ihre Schlafzimmertür ab. Klara schlief zunächst tief und fest. Doch plötzlich erwachte sie, als zwei kalte Hände sie am Knie berührten. Reflexartig packte sie den Eindringling und schleuderte ihn gegen die Wand. Als sie das Licht anschaltete, lag Froschi bewusstlos vor ihrem Bett. Klara wusste nicht so recht, was sie tun sollte. Schnell lief sie eine Etage hinauf und bat Heinrich, der dort ein Zimmer hatte, um Hilfe. Heinrich kümmerte sich rührend um Froschi. „Was hast du mit ihm gemacht?“ wollte er wissen und kniff Klara ein Auge zu. „Oh nein, nicht was du denkst! Er stand plötzlich vor mir. Es war ein Reflex…“ Nach einigen Streicheleinheiten erwachte Froschi und himmelte Heinrich an. „Mein Held,“ sagte er immer wieder. Heinrich fühlte sich geschmeichelt und wurde sogar rot! Klara verstand die Welt nicht mehr. Was so ein kleiner Klatsch an die Wand doch alles bewirken konnte. „Brauchst du ihn noch oder darf ich ihn mit zu mir nehmen?“ wollte Heinrich wissen. „Er gehört dir!“ Froschi bedankte sich noch bei Klara für den netten Abend, wollte dann aber lieber mit Heinrich gehen. Dieser war sehr angetan und beide verließen glücklich und zufrieden Klaras Wohnung. Heinrich überließ Klara noch seinen eisernen Keuschheitsgürtel. „Den brauch ich nun nicht mehr“, sagte er noch und schloss hinter sich die Tür. Heinrich hatte soeben seinen Märchenprinz gefunden. Und Klara? Sportlich schaffte es Klara noch bis zu den Deutschen Meisterschaften. Für Olympia reichte es aber nicht mehr.