Die Äpfel vom Baum des Lebens
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Die Äpfel vom Baum des Lebens

Ein Soldat, der des Krieges müde war, nahm seinen Abschied und bekam zum Dank für seine Dienste vom Hauptmann einen silbernen Säbel geschenkt. Diese besondere Gabe erhielt der Soldat zur Ausnahme, weil er seinem Hauptmann einst das Leben gerettet, indem er diesen vor einer herannahenden Kanonenkugel in die Deckung gezogen hatte. Der silberne Säbel hatte aber eine besondere Eigenschaft: Jeder, der damit verletzt wurde, musste sterben. Der Hauptmann selbst hatte den Säbel einst einer bösen Hexe entwunden, die ihn damit hatte traktieren und töten wollen. Nun brauchte der Hauptmann den Säbel aber nicht mehr, da er bald zum Major befördert und auf einen ruhigen Posten, weit von den Schlachtfeldern entfernt, versetzt werden sollte. So dankte der Soldat dem Hauptmann für das Geschenk und machte sich zur nächsten Stadt auf. Dort angekommen, ging er in ein Wirtshaus. Weil der Soldat beim Abschied seinen Sold für die letzten drei Jahre seines Dienstes ausbezahlt bekommen hatte, musste er ans Sparen nicht denken. Also ließ er sich so richtig auftischen. Nach dem Mahl trank er noch einige Becher Wein und gedachte, sich bald in der ihm vom Wirt versprochenen Kammer die Nachtruhe zu gönnen. Da trat ein grober Gesell an seinen Tisch, der machte sich über den Soldaten ganz böse lustig: Ob er wohl zu alt sei zum kämpfen und nun nur noch seine Uniform, denn die hatte der Soldat noch an, herumzeigen möchte. Da stand der Soldat auf und sagte: „Ich möchte keinen Streit mit Dir. Ich bin müde und lege mich jetzt schlafen.“ Als aber der Soldat gehen wollte, da hielt ihn der Kerl fest und sprach: „Miss zuerst Deine Kräfte mit mir!“ Da sah ihn der Soldat und sagte: „Gut, aber lass mich zuerst meinen silbernen Säbel ablegen. Denn Du hast keine Waffen. Das wäre ein ungleicher Kampf.“ Und der Soldat legte den Säbel ab. Da ergriff der Grobian den Säbel und hieb damit nach dem Soldaten. So gut der tapfere Soldat auch auswich, auch weil er um die tödliche Kraft des Säbels wusste, nach einige Schlägen ins Leere ritzte der Säbel eine kleine Wunde in des Soldaten Arm. Erfreut über diesen Treffer hielt der grobe Gesell kurz inne, der Soldat aber, geübt durch viele Kämpfe, nutzte die Gelegenheit und schlug dem Bösewicht den Säbel aus der Hand, dann brachte er den Schurken zu Fall, band ihm die Hände mit einem Tischtuch und alsbald ward der Tunichtgut durch die Stadtwache abgeführt und eingekerkert. Dem Soldaten aber schwanden langsam die Kräfte und er wusste, weil er durch den silbernen Säbel verletzt ward, dass er bald sterben musste. Er wurde in seine Kammer gebracht und des Wirtes Tochter nahm sich seiner an und wusch seine Wunde. Bald fragte sie: „Warum bist Du so schwach, Soldat, wo Deine Wunde doch so klein ist?“ Da erklärte ihr der Soldat, was es mit dem silbernen Säbel auf sich hatte und nun wurde das Mädchen sehr traurig. Doch dann sagte es: „Letzte Nacht hatte ich einen seltsamen Traum. Ein altes Weib kam in unser Wirtshaus und trug einen Korb voller Äpfel bei sich, die sie verkaufen wollte. Sie sagte dabei: ‚Hier sind kostbare Äpfel. Die hat mir der Nackte Bär geschenkt. Sie fielen vom Baum als der Nackte Bär sich seinen juckenden Rücken eben an jenem Baum scheuerte, am Baum des Lebens, so sagte er mir. Gebt mir nur für die Äpfel, was ihr entbehren könnt.‘ Es wollte aber niemand die Äpfel kaufen. Die Leute riefen nur: ‚Lass uns in Frieden mit Deinen Äpfeln. Wir wollen hier Wein trinken und uns den Braten schmecken lassen!‘ Und so war die Alte weitergezogen.“ Der Wirt war aber, gerade als seine Tochter von dem Traum zu erzählen begonnen hatte, leise in die Kammer des Soldaten getreten. Nun sprach der Wirt: „Nein, mein Kind, das war kein Traum. Die Alte war wirklich bei uns im Wirtshaus. Und weil keiner einen Apfel wollte, da habe ich ihr den ganzen Korb für ein paar Kreuzer abgekauft. Nur hast Du doch bis gestern noch im Fieber gelegen und kein Arzt hatte Dir helfen können! Dir ist wohl vom Treiben der Gäste durch den Kamin in Deinem Zimmer etwas zu Ohren gekommen in Deinem halbwachen Dämmerzustand. Du riefst nur immerzu: ‚Einen Apfel, einen Apfel!‘ Da ließ ich einen der Äpfel der Alten anschneiden und gab Dir ein Stück und nach nicht einmal einer halben Stunde war alle Krankheit von Dir abgefallen.“ Inzwischen war der Soldat aber ganz blass geworden und die Lebensgeister schienen ihn verlassen zu wollen. Da rief das Mädchen abermals: „Einen Apfel, einen Apfel!“ Und bald ließ sie den Soldaten von einem der Äpfel essen. Nur mit größter Mühe konnte der Soldat ein Stückchen kauen und schaffte es eben noch, etwas davon zu schlucken, bevor ihm der Kopf leblos zu Seite fiel.
Entsetzt starrte das Mädchen auf den Soldaten und legte seine Hand auf dessen kalte Stirn. Doch nach einigen Augenblicken kehrte wieder Farbe in dessen Gesicht zurück und bald öffnete er seine Augen wieder. Keck schaute er des Wirtes Tochter an und sagte: „So schnell geh‘ ich wohl doch nicht von der Welt!“ Und so freuten sich beide über diese glückliche Fügung. Bald ward Hochzeit gefeiert und es folgte ein glückliches Leben. Aus den Äpfeln brannte der Wirt einen Schnaps, der bei schweren Erkrankungen verabreicht wurde. Den silbernen Säbel aber schickte der Soldat seinem alten Hauptmann zurück. Der war, wie ausgelobt, inzwischen Major geworden und hatte seinen ruhigen Posten angetreten. Also hängte er sich den Säbel über sein Sofa. Da konnte er eigentlich niemandem mehr gefährlich werden.

siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de