Rosa Kämpchen
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Rosa Kämpchen

Rosa Kämpchen ist ein aufgewecktes 15 Jähriges Mädchen, was äußerlich schon als volljährige Frau durchgehen würde. Sie lebte mit ihrer Mutter in einem Plattenbau aus den 70 ger Jahren, 4. Etage, kein Balkon.
Ihre Großmutter dagegen wohnte in einem alten Forsthaus mitten im Wald. Sie war schon weit über 80 Jahre und bettlägerig. Zwar kam die Caritas morgens und abends zu der Großmutter, aber Rosa wollte es sich nicht nehmen lassen, sie wenigstens einmal am Tag zu besuchen. So machte sich Rosa immer gleich nach den Hausaufgaben auf den Weg, der knapp 10 Minuten zu Fuß dauerte und ein Stück durch den Wald führte.
„Lass dich nicht von fremden Leuten anquatschen,“ sagte die Mutter jedes Mal, wenn Rosa das Haus verließ. Dabei war immer ihr kleiner Bastkorb, gefüllt mit Süßigkeiten und einer Flasche Altbier mit Cola drin.
Eigentlich war der heutige Tag wie jeder andere auch. Früh aufstehen war doof, die Busfahrt zur Schule war doof, Schule selber doof, Rückfahrt doof. Doch auf dem Weg zur Großmutter stolperte Rosa und verlor bei der harten Landung auf dem Gehweg ihre Kontaktlinsen. Trotzdem beschloss sie, den Weg weiter zu gehen. Schließlich kannte sie die Strecke bis zum alten Forsthaus wie im Schlaf.
Als sie das Waldstück erreichte bemerkte Rosa, dass ihr jemand folgte. Etwas mulmig wurde ihr schon dabei. Doch weit war es nicht mehr bis zur Großmutter und Rosa lief etwas schneller. An einem Ast, der quer über dem Weg lag, verlor sie erneut das Gleichgewicht und stürzte wieder.
„Rosa, hast du dir weh getan?“ fragte eine Männerstimme. Er half ihr auf und sammelte die Sachen aus dem Korb wieder ein.
Rosa erkannte den Mann nicht. Sie bemerkte nur, dass er so ein billiges Rasierwasser benutzte. Eins, womit man auch Mücken und Parasiten vertreiben konnte.
„Wer sind sie?“
„Ich bin Herr Wolf. Ich wohne direkt über euch. – Du bist auf dem Weg zu deiner Großmutter, nicht war?“
Rosa wurde nachdenklich. Woher wusste dieser Mann so gut Bescheid? Sie kannte keinen Herrn Wolf! Dabei klingelt sie doch regelmäßig überall mal durch, wenn ihr nach Streichen zu Mute ist.
„Nein, heute nicht! Ich bin auf dem Weg in die Stadt.“ Hastig verließ Rosa das Waldstück wieder Richtung Innenstadt. Hier fühlte sie sich sicherer. Sie wollte am Kiosk von Frau Wackerstein kurz warten, bis dieser Herr Wolf die Gegend verlassen hatte. Danach machte sie sich wie gewohnt auf den Weg zur Großmutter.
Der Weg zum alten Forsthaus gestaltete sich ohne die gewohnten Kontaktlinsen schwieriger als erwartet. Rosa war froh, als sie endlich das Haus erreichte.
„Hallo Oma, ich bin da!“ Aber sie bekam keine Antwort.
„Oma?“
Vorsichtig lief Rosa auf das Pflegebett der Großmutter zu. Sie suchte ihre Hand unter der Bettdecke.
Plötzlich wurde sie gepackt und ins Bett gezerrt. Rosa schrie, dabei kam ihr wieder der Geruch von diesem billigen Rasierwasser in die Nase. Sie wehrte sich verzweifelt, doch ihr Kampf schien aussichtslos, der Wolf war stärker.
In diesem Augenblick kam der Zivi Maximilian zum alten Forsthaus. Maxi war für „Essen auf Rädern“ unterwegs und zufällig heute etwas früher dran als üblich. Er erkannte die Situation blitzschnell, nahm die aus Edelstahl bestehende Bettpfanne und schlug Herrn Wolf damit nieder.
Rosa war überglücklich, das Maxi ihr so beherzt geholfen hatte. Die beiden kannten sich vom Jugendtreff, dort, wo Rosa sich mit ihren Freundinnen immer lustig machten über Pickel – Maxi.
Doch wo war nun die Großmutter?
In einem Nebenraum hatte Herr Wolf die alte Dame geknebelt auf dem Boden gelegt. Mit vereinten Kräften legten sie die Großmutter wieder ins Pflegebett. Der vorsorglich gerufene Arzt konnte bei ihr keine größeren Verletzungen feststellen. Ein Aufenthalt im nächstgelegenen Krankenhaus war somit nicht erforderlich.
Die bereits eingetroffene Polizei nahm Herrn Wolf, der eigentlich Wolfgang Böse hieß, fest. Er wurde schon seit Wochen polizeilich gesucht und konnte nun durch das beherzte Eingreifen des Zivis verhaftet werden. Leider gab es keine Belohnung für den tapferen Zivi, der jede müde Mark (heute Euro) gebrauchen konnte.
Rosa beschloss, die Vorurteile gegenüber Pickel – Maxi zu begraben und lud ihn zu einem Döner mit viel Knoblauch ein.

Und wenn sie nicht gestorben sind …