Der Spatz und der goldene Ring
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Der Spatz und der goldene Ring

Ein Spatz fand einen goldenen Ring und wusste damit nichts anzufangen. Doch weil er so schön glänzte, schnappte er den Ring, brachte ihn in sein Nest und sagte zu seiner Spatzenfrau: „Ich habe Dir einen schönen Schmuck mitgebracht!“ Als die Spatzenfrau den goldenen Ring erblickte, sagte sie: „Oh, was für ein unverhoffter Reichtum. Jetzt können wir uns ein großes neues Nest leisten.“ Der Spatz war erstaunt über seine Frau. Er hatte gedacht, sie würde sich über den glänzenden Schmuck freuen. Da sagte der Spatz: „Aber wer gibt einem Spatz Geld für einen goldenen Ring?“ – „Frag den alten Raben!“ Erwiderte die Spatzenfrau. Da flog der Spatz mit dem Ring zum alten Raben. Der alte Rabe aber konnte nicht mehr gut fliegen, um sich Futter zu suchen und sah nun die Gelegenheit, sein Altenteil zu erlangen. So sprach er: „Gut, ich kann das Geschäft für Dich erledigen. Aber ich bekomme den dritten Teil des Erlöses.“ – „Einverstanden.“ Sagte der Spatz. Da flog der alte Rabe mit dem Ring zu einem alten Hofhund und sagte: „Ich habe gehört, Du hast schon einmal einen goldenen Ring zu Geld gemacht. Hier ist wieder einer. Kannst Du auch den zu Geld machen?“ Der alte Hofhund besah sich den Ring. Und weil er sich an seinen Reichtum durch den ersten goldenen Ring schon gewöhnt hatte, sah er hier die Möglichkeit, diesen noch zu vergrößern. Daher sagte er: „Ich kann es versuchen. Aber ich bekomme den dritten Teil des Erlöses.“ – „Einverstanden.“ Entgegnete der alte Rabe. Dann nahm der alte Hofhund den goldenen Ring und ging damit zum Nackten Bären. „Guten Tag, Nackter Bär. Du hast doch schon einmal einen goldenen Ring für mich zu Geld gemacht. Jetzt habe ich wieder einen. Kannst mir nicht noch einmal helfen?“ Da besah sich der Nackte Bär den goldenen Ring und dachte bei sich: Es ist doch schon seltsam, dass dieser alte Hofhund zum zweiten Mal in seinem Leben an einen goldenen Ring kommt. Da wäre es doch ganz im Sinne meines großen Hungers, einen guten Teil an Gebühr für meine Hilfe zu verlangen. Dann sagte er: „Gut, ich tausche den Ring beim Goldschmied in gutes Geld ein. Aber ich bekomme den dritten Teil des Erlöses.“ – „Einverstanden.“ Erwiderte der alte Hofhund. Und so ging der Nackte Bär zum Goldschmied und bekam ein Hand voll Taler für den goldenen Ring. Davon behielt er den dritten Teil. Der alte Hofhund wiederum behielt auch den dritten Teil und der alte Rabe bekam das letzte Drittel. Der Spatz und seine Frau aber bekamen gar nichts. Da ärgerte sich die Spatzenfrau so sehr, dass sie vor Gram starb. Der Spatz aber lernte bald eine neue Spatzenfrau kennen, die obendrein so reich war, dass er es nicht mehr nötig hatte, glücklose Geschäfte mit goldenen Ringen zu machen. Und also gab es doch noch ein ganz gutes Ende.

siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de