Es war einmal ein Mädchen, das wohnte mit seiner Mutter in einem kleinen Häuschen. Eines Nachts erblickte das Mädchen von seinem Bett aus einen Uhu, der am Fenster saß. Ängstlich drehte sich das Mädchen um und blieb die ganze Nacht so liegen. Am nächsten Tag fürchtete es sich schon vor der kommenden Nacht, denn vielleicht würde wieder der Uhu am Fenster sitzen. Als das Mädchen abends zu Bett ging, zog es die Vorhänge zu, um ganz ruhig schlafen zu können. Als es nun im Bett lag, sah es auf einmal einen Schatten hinter dem Vorhang. Es war der Schatten des Uhus. Wieder drehte sich das Mädchen auf die andere Seite. Da hörte es den Uhu sagen: „Hab keine Angst und komm heraus. Geh mit mir zu meinem Nest.“ Da bekam das Mädchen einen großen Schreck und rührte sich nicht, bis es hell wurde. Am nächsten Tag stellte das Mädchen ein großes Brett vor das Fenster, um endlich seinen Schlaf zu finden. In der folgenden Nacht war alles ruhig. Das Fenster war fest verschlossen, und nichts war zu hören. Um Mitternacht wurde das Mädchen aber geweckt. Es hörte ganz deutlich eine Stimme durch den Kamin, die sagte: „Hab keine Angst und komm heraus. Geh mit mir zu meinem Nest. Dort geb‘ ich Dir das güldene Ei.“ Ängstlich hielt sich das Mädchen die Ohren zu. Dann wurde es aber doch neugierig, was es mit dem güldenen Ei wohl auf sich hätte, und so stand es auf und ging vor das Haus. Da sah es den Uhu auf dem Schornstein sitzen. Der Uhu sagte: „Folge mir! Es wird zu Deinem Besten sein.“ Und so flog der Uhu los, und das Mädchen ging hinterher. Mitten im Wald hörte das Mädchen jemanden Niesen: „Hatschi.“ Da erschien eine große Gestalt. Es war der Nackte Bär. Er sagte: „Vorsicht. Ich bin erkältet.“ Da lief das Mädchen schnell weiter dem Uhu hinterher. Endlich kamen sie am Nest des Uhus an, und in dem Nest lag ein goldenes Ei. „Nimm das güldene Ei und lass es von einem Huhn ausbrühten. Dann wird Dir Gutes widerfahren.“ Sprach da der Uhu. So nahm das Mädchen das goldene Ei mit nach Hause und ließ es von einem Huhn ausbrühten. Da entschlüpften dem goldenen Ei lauter kleine Feen, die alle zu dem Mädchen sagten: „Komm mit. Jetzt wollen wir die böse Hexe verjagen.“ Und so setzten die kleinen Feen das Mädchen auf einen Decke, fassten die Ränder der Decke und flogen allesamt in den Wald zum Nest des Uhus. Als sie am Nest ankamen, lag dort die tote Hexe und ein Mann saß daneben. Der Mann freute sich, als er das Mädchen erblickte und sagte: „Mein liebes Kind. Ich bin Dein Vater. Die böse Hexe hatte mich in einen Uhu verwandelt, und ich durfte bei meinem Leben nicht verraten, wer ich bin. Ich sollte für die Hexe das goldene Ei aufbewahren, das sie aus dem Feenlande gestohlen hatte. Aber außer einer Fee konnte nur ein Huhn das Ei ausbrühten. Doch heut Nacht kam die Hexe hierher und sagte, sie sei dem Nackten Bären begegnet, und der hätte sie angeniest. Seitdem hatte sie die Grippe, und nachdem sie mir das erzählt hatte, fiel sie plötzlich um und war tot.“ Da lachten die Feen und sagten, dass Hexen schon an einem leichten Schnupfen sterben könnten. Nun freuten sich alle, und der Vater zog wieder zu seiner Familie, und alle lebten noch lange und glücklich miteinander.