Das alte Pferd
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Das alte Pferd

Das alte Pferd

Es war einmal ein Bauer, der fuhr mit seinem Pferdewagen nach Süden, wo die nächste Stadt lag. Nach einiger Zeit fing das alte Pferd an zu lahmen. Da musste der Bauer vom Wagen steigen und nachsehen, was es wohl hatte. Er konnte aber nichts entdecken. Das Pferd jedoch hatte sein Leben lang vor dem Wagen oder dem Pflug gestanden und nie eine Verletzung gehabt. Nun aber hatte es plötzlich keine Lust mehr, den Wagen weiterzuziehen. Mehr noch: Es hatte keine Lust mehr, überhaupt noch irgendeinen Dienst zu leisten. Und so tat es eben, als sei es nun tatsächlich zum ersten Mal krank geworden. Der Bauer hingegen dachte: „Gut, dass wir in die Stadt fahren. Da kann ich den alten Gaul gleich zum Abdecker (Tierverwerter) bringen, der wird mir noch ein paar Groschen für das Tier geben. Dann kann er ihm meinetwegen das Fell über die Ohren ziehen.“ Als sie so ein Weilchen langsam dahinzogen waren, dachte sich aber auch das alte Pferd: „Bestimmt bringt mich der Bauer in der Stadt gleich zum Abdecker.“ Und so ging es immer langsamer und langsamer, bis es einfach stehen blieb. Nun wurde der Bauer zornig, nahm die Peitsche und schlug es in seiner Wut, ohne innezuhalten. Da wieherte das alte Pferd vor Schmerz. Das Wiehern aber hörte der Nackte Bär, der zufällig in der Nähe war, und so kam er aus dem Wald hervor und sagte: „Guten Tag, ich bin der Nackte Bär.“ Der Bauer kannte aber den Nackten Bären nicht, erschrak über alle Maßen und nahm schnell Reißaus. Der Nackte Bär aber spannte das alte Pferd aus und überlegte, was zu tun sei. Da sagte das Pferd: „Dafür, dass Du mich gerettet hast, überlass‘ ich Dir den Wagen. Ich werde von jetzt an hier im Wald wohnen. Hier gibt es genügend Lichtungen mit saftigen Wiesen. Da habe ich meine Ruhe und muss keinen Pflug und keinen Wagen mehr ziehen.“ Dann verabschiedete sich das alte Pferd vom Nackten Bären und verschwand im Wald. Der Wagen aber, den das alte Pferd hatte ziehen müssen, war voller Speisen, die der Bauer auf dem Markt hatte verkaufen wollen. Doch nun konnte sich der Nackte Bär daran erst einmal wieder richtig satt essen. So hatten alle etwas davon, außer der undankbare Bauer, der nun sein Pferd, seinen Wagen und seine Waren verloren hatte. Und als er nach Hause kam und seiner Frau alles erzählte, da bekam er noch eins mit der Bratpfanne über den Schädel, sodass er drei Wochen lang Kopfschmerzen hatte.

siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de