Ein Hirsch war auf der Flucht vor einem Jäger und stürmte durch den Wald. Ein schönes junges Mädchen, das im Wald nach Beeren suchte und in den grünen Sträuchern hockte, übersah der Hirsch beinah. Im letzten Moment sprang er darüber hinweg. Durch den Sprung selbst überrascht, stolperte der Hirsch, fiel hin und blieb reglos liegen. Da ging das Mädchen zu dem Hirsch und sagte: „Du armer Hirsch. Du hast für mich Dein Leben gegeben und so schulde ich Dir großen Dank.“ Dann setzte es sich neben den Hirsch, streichelt ihn und gab ihm einen Kuss. Da verwandelte sich der Hirsch in einen schönen jungen Prinzen. Der Prinz erwachte und sagte zu dem Mädchen: „Du hast mich von dem Fluch einer bösen Hexe befreit, der besagte, ich müsse so lange ein Hirsch sein, bis eine Jungfrau mich küssen würde. Dies ist nun geschehen. Als Dank dafür, sollst Du nun meine Frau werden.“ Da freute sich das Mädchen und wollte den Prinzen aus dem Wald herausführen. Doch nun hörten die beiden auf einmal jemanden rufen: „Hilfe, Hilfe. Lass mich los.“ Da kam der Nackte Bär daher und trug den Jäger unter seinem Arm. Als der Nackte Bär den Prinzen und das Mädchen sah, sagte er: „Stellt Euch mal vor, der Jäger hat einfach so auf mich geschossen. Dabei sehe ich weder aus wie ein richtiger Bär, noch wie ein anderes Wild! Zum Glück hat er nicht getroffen.“ Da entgegnete der Jäger: „Ich habe nur gesehen, wie sich etwas bewegt hat. Ich dachte, es wäre der Hirsch gewesen.“ – „Dann hättest Du mich erschossen.“ Sagte nun der Prinz. Und da erkannte der Jäger, der nämlich der Hofjäger des Prinzen war, seinen Herrn wieder und bat um Verzeihung. Das fiel dem Prinzen leicht, da der Jäger ihn ja in die arme des schönen jungen Mädchens getrieben hatte. Und so wurde bald Hochzeit gefeiert, zu der nun auch der Nackte Bär eingeladen war. Und da der Prinz so glücklich war, ließ er für den Nackten Bären gleich zehn Köche abstellen, die alles kochen mussten, was er sich nur wünschte. Da aß der Nackte Bär soviel, dass ihm fast wieder neue Haare gewachsen wären. Schließlich schlief er aber nach drei Tagen des Essens und Trinkens ein und wachte im Wald wieder auf. Dorthin hatten ihn nämlich die zehn Köche heimlich bringen lassen, aus Angst, er würde noch die ganze Hofküche leer essen, wenn er nicht bald vom Hof verschwände. Was dann geschah, steht in einem anderen Märchen. Jedenfalls kannte der Nackte Bär sich ja hier im Wald gut aus, und satt war er auch noch für ein Weilchen. Und damit ist dieses Märchen zu Ende.