Das einsame Mädchen
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Das einsame Mädchen

Es war einmal ein Mann, der lebte mit seiner Tochter in einem kleinen Haus. Eines Tages musste er eine größere Reise antreten. Da sagte er zu seiner Tochter: „Ich lass Dir genug zu essen im Haus. Das wird reichen, bis ich wieder hier bin. Sollte jemand in das Haus wollen, so sage: ‚Mein Vater ist ein großer starker Mann, und er wird bald nach Hause kommen.‘ Dann wird derjenige wieder gehen. Sollte der Gleiche aber später wiederkommen, so sage dann: ‚Mein Vater ist daheim und schläft. Wenn ich ihn aufweck‘, wird er furchtbar bös.‘ Dann wird derjenige wieder gehen.“ Nachdem er das Mädchen so belehrt hatte, ging er fort und versprach, so schnell als möglich wiederzukommen.
Als der Vater nun einige Zeit fort war, klopfte es an der Tür. Das Mädchen fragte: „Wer ist da?“ – „Ich bin ein Freund Deines Vaters. Öffne doch die Tür!“ Sagte draußen eine grobe Stimme. Da erwiderte das Mädchen: „Mein Vater ist ein großer starker Mann, und er wird bald nach Hause kommen.“ Da verstummte die Stimme. Einige Zeit später klopfte es wieder an der Tür. Das Mädchen fragte: „Wer ist da?“ – „Ich bin ein lieber, guter Freund Deines Vaters. Ach, öffne doch bitte die Tür, und lass mich ein!“ Antworte eine feine, freundliche Stimme, und das Mädchen erkannte, dass es diesmal jemand anderes war als beim ersten Mal. Also sagte es: „Mein Vater ist ein großer Starker Mann, und er wird bald nach Hause kommen.“ Da verstummte auch diese Stimme. Als wieder etwas Zeit vergangen war, klopfte es erneut an der Tür. Wieder fragte das Mädchen und erkannte, dass es die gleiche feine, freundliche Stimme wie beim letzten Mal war, die um Einlass bat, da sagte sie: „Mein Vater ist daheim und schläft. Wenn ich ihn aufweck‘, wird er furchtbar bös.“ Da verstummte die Stimme, und das Mädchen hatte wieder seine Ruhe. Hoffentlich kommt der Vater nun bald zurück, sagte es zu sich selbst. Da klopfte es aber wieder an der Tür. Wieder fragte die gleiche feine, freundliche Stimme wie beim letzten Mal. Nun wusste das Mädchen aber nicht mehr, was es sagen sollte und fing zu weinen an. Die Stimme von draußen sagte aber: „Ich kann dich trösten und beruhigen, lass mich ein, und Dir wird viel Gutes widerfahren.“ Und weil das Mädchen so einsam war und die Stimme so freundlich klang, öffnete es die Tür. Vor der Tür stand aber eine böse, alte Hexe, die sich nur freundlich gestellt hatte und das Mädchen in Wirklichkeit entführen wollte. Eines war aber seltsam, denn das Mädchen sah zuerst die Füße der Hexe, nachdem es die Haustür geöffnet hatte. Die Hexe stand auf einem Hügel, der sich vor der Tür angehäuft hatte. Vor Schreck fiel das Mädchen auf den Hügel und stach ihn mit dem großen Haustürschlüssel. „Au!“ Rief da der Hügel und bewegte sich. Da fiel die Hexe samt Besenstiel herunter. Doch während sie herunterfiel, wollte sie sich auf ihrem Besenstiel abstützen. Dabei zerbrach dieser aber, und die Hexe wurde von dem nun spitzen Rest des Schaftes aufgespießt und war sofort tot. Der Hügel aber stand auf, und es war kein anderer als der Nackte Bär. Er erzählte, dass er vor längerer Zeit geklopft hatte, weil er den Vater besuchen hatte besuchen wollen. Als die Tochter aber gesagt hatte, dass der Vater bald nach Hause käme, hatte er sich einfach vor die Tür gelegt und war eingeschlafen. Danach hatte dann die böse Hexe ständig versucht, in das Haus zu kommen, was er aber, weil er ja geschlafen hatte, gar nicht bemerkt hatte.
Doch nun war die Hexe tot. Der Vater kam aber auch bald heim und hatte gute Geschäfte in der Ferne gemacht, sodass er seiner Tochter ein schönes Kleid als Geschenk hatte mitbringen können. Der Nackte Bär aber bekam eine dicke Wollmütze geschenkt. Und so war doch noch alles gut gegangen.

siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de