Ein Schwein und ein Huhn hatten Freundschaft geschlossen und verbrachten die Tage immer gemeinsam miteinander. Sie führten ein einfaches aber einträgliches Leben. Eines Tages nun sagte das Schwein zum Huhn: „Ich will einige Tage auf Reisen gehen und sehen, ob ich nicht etwas Geld für uns verdienen kann, damit wir es einmal ein bisschen besser haben.“ – „Nur zu. Ich brüte so lange das Ei aus.“ Sagte da das Huhn. Und so machte sich das Schwein auf den Weg. Unterwegs traf es auf einen Tagelöhner. Als der das Schwein sah, sagte er zu ihm: „Ei – mein schönes Schwein. Schweine bringen Glück, heißt es. Ich will Dich einmal anfassen! Dann habe ich bestimmt großes Glück und finde eine gute Arbeit.“ Als er sich zu dem Schwein bückte, stolperte er über einen Stein, brach sich das Genick und war sofort tot. „Dem habe ich wohl kein Glück gebracht!“ Sagte da das Schwein zu sich selbst und setzte seinen Weg fort. Kurze Zeit später kam ein Kaufmann des Wegs. Als der das Schwein sah, sagte er zu ihm: „Ei – mein schönes Schwein. Schweine bringen Glück, heißt es. Ich will Dich einmal anfassen! Dann habe ich bestimmt großes Glück mit meinen Geschäften.“ Ehe das Schwein aber antworten konnte, hatte der Kaufmann dem Schwein ein Schlinge um den Hals gelegt und es an seinem Wagen festgebunden. Nun musste das Schwein mit dem Kaufmann mit, ob es wollte oder nicht. Der Kaufmann verkaufte das Schwein auf dem Markt an einen Schlachter und bekam gutes Geld dafür, da es ein recht kräftiges Schwein war. „Da hast Du mir ja ordentlich Glück gebracht!“ Sagte der Kaufmann noch zu dem Schwein, bevor er davonfuhr. „Mir haben Schweine schon immer Glück gebracht.“ Sagte da der Schlachter. Als er dann mit dem Schwein an der Schlachtbank stand, wollte er so tun, als ob er nichts Böses vorhätte und sagte zu dem Schwein: „Ei – mein schönes Schwein. Schweine bringen Glück, heißt es. Ich will Dich einmal anfassen! Dann habe ich bestimmt großes Glück mit meinem Handwerk.“ In Wirklichkeit wollte er aber das Schwein nun schlachten. Doch als er zum tödlichen Hieb ausholte, da traf ihn der Schlag, das Beil fiel ihm aus der Hand und schlug in seinen Nacken, sodass er auf der Stelle tot war. Da lief das Schwein schnell davon. „Dem habe ich wohl kein Glück gebracht!“ Sagte da das Schwein zu sich selbst und machte sich wieder auf den Heimweg. Unterwegs traf es den Kaufmann wieder. Der hatte eine gebrochene Achse an seinem Fuhrwerk und kam nicht weiter. Als er aber das Schwein erblickte, meinte er, das Glück wäre ihm nun wieder günstig, da er ja schon einmal gutes Geld an ihm verdient hatte. Wie er aber auf das Schwein zuging, stieß er mit etwas sehr Großem zusammen. Eh er sich versah, lag er schon unter dem Koloss, mit dem er zusammengestoßen und der auf ihn draufgefallen war und war mausetot. Der Koloss war aber kein anderer als der Nackte Bär. „Dem habe ich also auch kein Glück gebracht.“ Sagte da das Schwein laut. „Was?“ Fragte der Nackte Bär nun. „Ach nichts.“ Erwiderte da das Schwein. „Der Kaufmann war ein schlechter Mensch. Er hat mich gefangen und dem Schlachter verkauft. Es geschah wohl recht, dass ihn jetzt der Teufel geholt hat.“ Fügte es noch hinzu. „Ich bin nicht der Teufel.“ Sagte da der Nackte Bär. „Nein. Und Dir bringe ich bestimmt auch kein Glück. Ich gehe wohl lieber allein weiter.“ Erwiderte das Schwein und lief nun schnell nach Hause zum Huhn. Das Huhn aber hatte inzwischen das Ei ausgebrütet und ein kleines Schwein mit Flügeln zum Kind bekommen. Da freuten sich das Schwein und das Huhn. Von nun an blieb das Schwein aber zu Hause, und sie lebten noch lange und glücklich mit ihrem geflügelten Schweinekind.