Es war einmal zu Weihnachten in einem Wald, da stapfte keuchend eine große Gestalt durch die Abenddämmerung daher. Sie trug einen riesigen Leinensack auf der Schulter und erschien dadurch im Halbdunkel des Waldes wie ein unheimliches Wesen, das Böses im Schilde führt. Der Schnee lag sehr hoch, so hoch, dass selbst die Tiere sich kaum bewegen konnten und die große Gestalt auf dem Waldweg nur mit viel Mühe und sehr langsam vorwärts kam. Plötzlich kreuzte ein flinkes Eichhörnchen den Weg der Gestalt. Das Eichhörnchen war so leicht, dass es nicht im Schnee versank und deswegen sehr schnell laufen konnte. Als die Gestalt und das Eichhörnchen sich gegenseitig erblickten, erschraken beide heftig. Das Eichhörnchen kletterte schnell auf den nächsten Baum. Die Gestalt aber ließ vor Schreck den riesigen Sack fallen und schrie kurz darauf laut auf: Der Sack war der Gestalt auf den Fuß gefallen. Da setzte sie sich hin betaste ihren Fuß. Das Eichhörnchen blickte scheu von dem Baum herunter, auf den es geklettert war, und wartete erst einmal ab. Als nach einiger Zeit die Gestalt immer doch auf dem verschneiten Waldweg saß, entschloss sich das Eichhörnchen dazu, die Sache genauer zu betrachten. Es lief vorsichtig zu der Gestalt und fragte: „Wie geht es dir?“ – „Mir geht es sehr schlecht. Ich habe mir eben den Fuß verstaucht. Jetzt kann ich meine Aufgabe nicht erledigen.“ antwortete die Gestalt. „Was hast du denn für eine Aufgabe?“ fragte da das Eichhörnchen. „Ich muss alles, was in dem riesigen Sack ist, heute noch verteilen!“ sagte die Gestalt. „Kann das nicht bis morgen warten?“ fragte da wieder das Eichhörnchen. „Nein.“ sagte die Gestalt, „Seit es mich gibt, habe ich die Weihnachtsgeschenke immer am 24.Dezember gebracht.“ – „Dann bist du am Ende der Weihnachtsmann!“ sagte da das Eichhörnchen erstaunt. „Ja. So ist es.“ antwortete die Gestalt, die tatsächlich der Weihnachtsmann war. Da dachte das Eichhörnchen einen Augenblick lang nach und sagte dann: „Vielleicht kann ich dir helfen. Warte hier auf mich.“ Dann lief es schnell weg. Nach einiger Zeit kam es wieder und sagte: „Ich habe dir jemanden mitgebracht, der dir helfen kann.“ Und hinter dem Eichhörnchen kam der nackte Bär angestapft. „Sei gegrüßt Weihnachtsmann.“ sagte der nackte Bär. „Ach, du bist es, nackter Bär. Ich habe schon viel von dir gehört.“ rief der Weihnachtsmann erfreut aus. Und auf einmal hatte nun der nackte Bär die Aufgabe, die Weihnachtsgeschenke auszutragen, weil der Weihnachtsmann ja nicht mehr laufen konnte. Der nackte Bär wurde also der Stellvertreter des Weihnachtsmannes. Er lieh sich die Kutte des Weihnachtsmannes aus und bastelte sich aus Reisig und Tannennadeln einen Bart. Dann zog der nackte Bär durch die Städte und Dörfer und verteilte die Weihnachtsgeschenke. Weil der nackte Bär sich aber nicht so gut auskannte wie der Weihnachtsmann, verwechselte er hier und da ein Geschenk oder vergaß sogar hin und wieder, ein Geschenk auszuteilen. Meist waren das solche Geschenke, wo besonders viel Schokolade oder irgendwelche anderen leckeren Sachen zu essen enthalten waren. Auch sahen das Reisig und die Tannennadeln in seinem Gesicht ziemlich furchterregend aus. Im Großen und Ganzen aber kamen die meisten Geschenke dort an, wo sie ankommen sollten. Seit diesem Weihnachten hat der nackte Bär schon einige Male den Weihnachtsmann vertreten, wenn der krank oder aus anderen Gründen verhindert war. Das sind dann meist die Weihnachten, wo der Weihnachtsmann besonders seltsam daherkommt oder äußerst furchterregend aussieht und wo vielleicht auch nicht alle Geschenke ankommen, die gewünscht und erwartet wurden. Aber im nächsten Jahr kommt dann bestimmt wieder der richtige Weihnachtsmann.