Der Wolf und das Schaf
Inhalt Ändern Diskussion Versionen Bewerten

Der Wolf und das Schaf

Es war einmal ein Wolf, der hatte lange nichts gefressen. Er trabte unruhig im ganzen Wald umher, doch alle Tiere schienen zu wissen, dass der Wolf einen großen Hunger hatte, denn keines von ihnen ließ sich blicken. Da kam der Wolf an eine Lichtung, und auf der Lichtung stand ein einsames Schaf. Das Schaf hatte wohl seine Herde verloren und war daher eben von allen verlassen an diese Lichtung gelangt. Der Wolf lief zum Schaf und sagte: „Guten Tag, mein liebes Schaf. Was machst du denn hier so allein?“ – „Ich warte auf die anderen von meiner Herde. Sonst halte ich mich immer an das vorletzte Schaf. So kann ich immer Anschluss halten, aber heute sind alle auf einmal weggelaufen..“, antwortete da das Schaf. Während das Schaf dies sagte, war auf einmal Hundegebell zu hören. Das Schaf hielt kurz inne und sprach dann weiter: „Ja, da kam nämlich...“, doch da sagte der hungrige Wolf voller Ungeduld: „Das will ich gar nicht wissen. Ich werde dich nämlich jetzt fressen.“, und er öffnete schon seine große Schnauze. „...der nackte Bär.“ sagte da das Schaf. Und plötzlich bekam der Wolf einen mächtigen Stoß und flog im hohen Bogen durch die Luft und schlug auf einen am Boden liegenden dicken Baumstamm auf, so dass es krachte. Der nackte Bär war nämlich gerade mit dem Wolf zusammengestoßen. Zuvor war er schnell gelaufen und hatte sich im Lauf umgedreht, um nach seinen Verfolgern Ausschau zu halten und hatte so den Wolf übersehen. „Guten Tag nackter Bär.“ sagte da das Schaf. – „Guten Tag Schaf.“ sagte der nackte Bär. „Wieso bist du so in Eile?“ fragte das Schaf. „Na ich habe mir etwas Brot und Speck von deinem Schäfer ausgeliehen. Das Zeug lag neben ihm herum als er schief. Da dachte ich, er braucht es gerade nicht und habe es mitgenommen. Der Schäfer hängt aber wohl sehr an diesen Dingen. Jedenfalls hat er mir seine Hunde hinterhergeschickt.“ sagte der Bär. „Ach geh nur einfach tiefer in den Wald. Da wird dich keiner finden. Ich werde den Schäfer schon aufhalten.“ Der nackte Bär bedankte sich und verschwand im Wald. Bald kamen aber die Hunde des Schäfers und schließlich der Schäfer selbst. Der hatte zwar zuerst den nackten Bären wegen des Brotes und des Specks verfolgt. Unterwegs aber hatte er festgestellt, dass eines seiner Schafe fehlte, und deswegen gedacht, dass der nackte Bär wohl auch noch ein Schaf gestohlen hätte. Nun aber war das fehlende Schaf des Schäfers genau jenes von der Lichtung, das der Wolf hatte fressen wollen, und das hatte der Schäfer jetzt wiedergefunden. Das Schaf sagte zum Schäfer nun, dass der Wolf das Brot und den Speck gestohlen hätte und dann auch noch das Schaf hatte fressen wollen. Zufällig wäre aber der nackte Bär vorbeigekommen und hätte dem Wolf einen Tritt gegeben, so dass der nun da hinten auf dem Stamm liegen und kein Glied mehr rühren können würde. Als das der Schäfer hörte, war er sehr froh. Er ging zu dem Wolf, schlug diesen tot und rief dann laut nach dem nackten Bären. „Hallo nackter Bär. Ich möchte mich bei dir bedanken, dafür dass du meinem Schaf das Leben gerettet hast!“ Der nackte Bär hatte alles aus sicherer Entfernung mitangesehen und dachte bei sich: „Das müsste ja jetzt eigentlich gut für mich ausgehen.“ Und er kam aus seinem Versteck hervor. „Hier, mein lieber nackter Bär.“ Sagte da der Schäfer und reichte dem Bär einen dicken Kanten Brot und ein ordentliches Stück Speck. „Ich habe ja immer noch ein zweite Portion dabei. Man kann schließlich nie wissen...“ Und so bekam der nackte Bär doch endlich mal wieder genug zu essen.
Das Schaf aber achtete von nun an immer darauf, dass es bei seiner Herde blieb, und es lebte noch lange und glücklich weiter.

siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de