Der schwarze Berg
Der schwarze Berg
Es waren einmal drei Brüder, die lebten in einer Hütte auf einem Berg. Der Älteste war Holzfäller, der Zweite ein Schmied und der Dritte ein Faulenzer, der dies und das machte. Eines Tages sagte nun der Älteste Bruder zu den anderen beiden: „Meine Brüder, ich habe genug vom Holzfällen. Ich werde in die weite Welt hinauswandern und mein Glück versuchen. In einem Jahr werde ich zurück sein und euch erzählen, wie es mir ergangen ist.“ Sie verabschiedeten sich von einander, und der Älteste ging seines Weges.
Nachdem ein Jahr vergangen war, kam der älteste Bruder in einer vierspännigen Kutsche, die mit schönen Holzverzierungen versehen war, zurück zu der Hütte. Er erzählte, dass er viel herumgewandert und schließlich an einen schwarzen Berg gekommen sei. Am Fuße des Berges stand ein Wuzzelmännchen: „Wohin des Wegs?“, fragte es. „Den Berg hinauf“, antwortete der älteste Bruder. „Wenn du den Berg hinauf willst, muss du zuerst eine Aufgabe erfüllen.“ sagte des Wuzzelmännchen. „Was muss ich tun?“, fragte der Älteste. „Siehst du diesen großen Wald hier. Wenn du es schaffst, den Wald in einem halben Jahr abzuholzen, dann bekommst du eine Belohnung von mir und darfst auch auf den Berg hinauf.“ Der Älteste sah sich den Wald an und da er Holzfäller war, ließ er sich auf den Handel ein. Nun musste er von morgens bis abends Bäume fällen, doch nach genau sechs Monaten hatte er auch den letzten Baum gefällt. Da tauchte das Wuzzelmännchen auf. Es schien sich darüber zu ärgern, dass der älteste Bruder die Aufgabe gelöst hatte und sagte: „Du kannst nun eine zweite Aufgabe erfüllen und dann den Berg hinauf oder sofort eine Belohnung für das Abholzen des Waldes bekommen.“ Der Älteste dachte bei sich, das Wuzzelmännchen will mich hinhalten und stellt mir immer neue Aufgaben, ich nehme doch lieber die Belohnung. Nun musste das Wuzzelmännchen den Handel einhalten und sagte sehr verärgert: „Als Belohnung soll dir das ganze Holz gehören, das du geschlagen hast. Wenn du all das Holz verkaufst, wirst du ein gemachter Mann sein.“ Gesagt getan. Der Älteste verkaufte das Holz, machte mit dem Geld allerlei Geschäfte und wurde ein wohlhabender Kaufmann. Als der zweite Bruder die Geschichte gehört hatte, wollte er auch nicht mehr länger in der Hütte bleiben und sagte: „Meine Brüder, ich habe genug vom Schmieden. Ich werde in die weite Welt hinauswandern und mein Glück versuchen. In zwei Jahren werde ich zurück sein und euch erzählen, wie es mir ergangen ist.“ Sie verabschiedeten sich voneinander, und der Zweite ging seines Weges.
Nachdem zwei Jahre vergangen waren, kam der zweite Bruder in einer sechsspännigen Kutsche, die mit schönen Silberverzierungen versehen war, zurück zu der Hütte. Er erzählte, dass er viel herumgewandert und schließlich ebenfalls an einen schwarzen Berg gekommen. Auch bei ihm stand am Fuße des Berges das Wuzzelmännchen und frage ihn: „Wohin des Wegs?“ - „Den Berg hinauf.“, antwortete der zweite Bruder. „Wenn du den Berg hinauf willst, musst du zuerst eine Aufgabe erfüllen.“, sagte das Wuzzelmännchen. „Was muss ich tun?“, fragte der zweite Bruder. „Komm mit.“, sagte das Wuzzelmännchen und führte ihn eine große Höhle, die sich in dem schwarzen Berg befand. Sie gelangten an eine Stelle, an der in der Höhle ein riesiger Berg Silbererz lag. Dort sagte das Wuzzelmännchen: „Wenn du es schaffst, diesen Berg aus Silbererz in einem Jahr einzuschmelzen und in Barren zu gießen, dann bekommst du eine Belohnung von mir und darfst auch den Berg hinauf.“ Der zweite Bruder sah sich den Berg aus Silbererz an und da er Schmied war, ließ er sich auf den Handel ein. Nun musste er von morgens bis abends und auch einige Nächte durch das Silbererz schmelzen, doch nach genau einem Jahr hatte er den letzten Barren Silber gegossen. Da tauchte das Wuzzelmännchen wieder auf. Es ärgerte sich noch mehr als bei dem ältesten Bruder, das die Aufgabe gelöst worden war und sagte: „Du kannst nun eine weitere Aufgabe erfüllen und dann den Berg hinauf oder sofort eine Belohnung kassieren.“ Der zweite Bruder bei sich, der Älteste musste schon ein halbes Jahr den Wald fällen und ich nun ein Jahr lang des Silbererz verarbeiten, wer weiß, was für eine Aufgabe nun kommen mag? Ich nehme doch lieber die Belohnung. Auch diesmal musste das Wuzzelmännchen den Handel einhalten, und es sagte sehr verärgert: „Als Belohnung soll dir das ganze Silber gehören, das du in Barren gegossen hast. Damit wirst du für immer ein gemachter Mann sein.“ Gesagt getan. Der zweite Bruder kaufte sich von dem Silber ein Schloss und brauchte sein Lebtag nicht mehr zu arbeiten.
Da sagte sich der jüngste Bruder: „Da die anderen beiden ihr Glück durch das Umherziehen gemacht haben, will es nun auch damit versuchen.“ Also zog er los, kam hier und da hin und gelangte schließlich an den schwarzen Berg. Am Fuße des Berges stand wieder das Wuzzelmännchen und fragte: „Wohin des Wegs?“ - „Den Berg hinauf.“ antwortete der jüngste Bruder. „Wenn du den Berg hinauf willst, musst du zuerst eine Aufgabe erfüllen.“, sagte das Wuzzelmännchen. „Was muss ich tun?“, fragte der jüngste Bruder. Das Wuzzelmännchen überlegte eine Weile, es ärgerte sich wohl darüber, das der große Wald schon gefällt und der Riesenberg Silbererz schon eingeschmolzen waren. Dann sagte es etwas verlegen: „Da liegt ein nackter Bär in meinem Bett und schläft darin. Wenn du es schaffst, ihn zu vertreiben, dann bekommst du eine Belohnung von mir und darfst auch den Berg hinauf.“ Der jüngste Bruder dachte bei sich, es ist wohl leichter einen Bären zu vertreiben als ein halbes oder gar ein ganzes Jahr schwer zu arbeiten und ließ sich auf den Handel ein. Als er an das Bett kam, in dem der Bär schlief, holte der jüngste Bruder Brot und Speck hervor und hielt das Essen dem Bären vor die Nase. Der Bär roch den Speck und das Brot und öffnete die Augen. „Guten Tag Bär.“ sagte der jüngste Bruder. „Willst du etwas von meinem Brot und dem Speck haben?“ fragte er den nackten Bären. „Ja, sehr gern.“, antwortete der nackte Bär. „Dann komm mit mir auf den Berg.“, sagte der jüngste Bruder. Der Bär war einverstanden und sie zogen los. Am Fuße des Berges stand wieder das Wuzzelmännchen. Wegen des nackten Bären traute es sich aber nicht, etwas zu sagen. Da sagte der jüngste Bruder zu dem Wuzzelmännchen: „Meine Aufgabe ist erfüllt. Der nackte Bär liegt nicht mehr in deinem Bett. Wie steht es mit der Belohnung?“ Da sagte das Wuzzelmännchen sehr verärgert und auch etwas verschämt, weil keine Aufgaben mehr zu erledigen waren: „Ich schenke dir den schwarzen Berg.“ Da stiegen der jüngste Bruder und der nackte Bär den schwarzen Berg hinauf. Als sie oben angelangt waren, stand dort ein prächtiges Schloss. Sie gingen in das Schloss, in dem gerade eine große Feier stattfand. Als der jüngste Bruder und der nackte Bär fragten, was wohl der Anlass der Feier wäre, wurde ihnen gesagt, dass ein böser Zauberer das Schloss auf dem schwarzen Berg verzaubert hätte. Seitdem hätte niemand das Schloss verlassen oder auch besuchen können, denn nur wenn der große Wald gefällt, der Berg aus Silbererz geschmolzen und der nackte Bär wach geworden wären, war der Fluch besiegt, und alle könnten wieder machen, was sie wollten. Dies war aber nun geschehen, und der böse Zauberer war niemand anderes als das Wuzzelmännchen gewesen, das nun verärgert in seinem Bett lag und erbost den Kopf zur Wand drehte.
Der nackte Bär schlug sich nun im Schloss den Bauch voll, denn er hatte einen großen Hunger vom vielen Schlafen. Danach zog er wieder weiter. Der jüngste Bruder dagegen verliebte sich sogleich in die Prinzessin, die in dem Schloss wohnte, und kurze Zeit später heiratete er sie. Die Hochzeitsreise machten beide in einer goldbeschlagenen achtspännigen Kutsche, mit der sie auch die beiden Brüder besuchten. So lebten sie noch lange und waren sehr glücklich und bekamen noch oft Besuch von den Brüdern. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.
Siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de/