Der nackte Bär und das Bauernmädchen
Es war einmal ein armes Bauernmädchen. Das wohnte zusammen mit seinen Eltern in einer Bauernhütte. Eines Tages sagte die Bäuerin zu dem Bauern: He Bauer, du musst heute zum Markt gehen und unsere Kuh verkaufen. Die Kuh ist alt und gibt keine Milch mehr. Du musst aber trotzdem versuchen, ein gutes Geld auszuhandeln. Nimm unsere Tochter mit, sie ist gescheiter als du. Sie wird dir dabei helfen. Also machten sich der Bauer und seine Tochter auf den Weg zum Markt. Als sie eine Weile gelaufen waren, kam ein Fuchs des Weges. Der sah erbärmlich aus. Er sagte zu den beiden: Bitte gebt mir was zu essen, ich habe schon seit einer Woche nichts mehr in meinen Magen bekommen. Da gaben sie ihm etwas Brot. Als sie wieder ein Stück gelaufen waren, kam ein Wolf des Weges. Der sah schlimmer aus als der Fuchs. Er sagte zu den beiden: Bitte gebt mir was zu essen, ich habe schon seit zwei Wochen nichts mehr in meinen Magen bekommen. Auch dem Wolf gaben sie etwas Brot. Als sie wieder ein Stück gelaufen waren, kam ein Bär des Weges. Der sah ganz krank und schwach aus. Er sagte zu den beiden: Bitte gebt mir was zu essen, ich habe schon seit drei Wochen nichts mehr in meinen Magen bekommen. Da sagte der Bauer: Ach mein lieber hungriger Bär, wir haben unser Brot schon dem Fuchs und dem Wolf gegeben, und unsere Kuh können wir dir nicht lassen. Wir müssen Sie auf dem Markt verkaufen, sie ist das einzige, was wir noch haben. Sonst müssen wir selbst verhungern. Der Bär sah sehr hungrig auf die Kuh. Schließlich hatte er ein Einsehen und trottete davon. Endlich kamen der Bauer und seine Tochter auf dem Markt an. Dank der klugen Tochter bekamen sie gutes Geld für die alte Kuh und traten den Heimweg an. Da trafen sie den Fuchs wieder. Der Fuchs erinnerte sich daran, dass sie ihm Brot gegeben hatten und schenkte ihnen eines seiner Kinder, damit sie einen schlauen, kleinen Freund hätten, denn Füchse sind sehr schlaue Tiere. Kurze Zeit später trafen sie den Wolf wieder. Auch der Wolf erinnerte sich daran, dass sie ihm Brot gegeben hatten und schenkte ihnen eines seiner Kinder, damit sie einen treuen und wachsamen Freund hätten, denn Wölfe sind wie die Hunde treu und wachsam. Kurze Zeit später trafen sie den Bären. Der Bär hatte immer noch nichts zu fressen gefunden. Daher waren ihm inzwischen alle Haare ausgefallen, und er war nackt. Weil der Bär aber sah, dass der Bauer und seine Tochter viel Geld für die Kuh bekommen und obendrein neue Freunde gefunden hatten, wurde er sehr wütend. Mit letzter Kraft stellte er sich auf seine Hinterpfoten und brüllte grimmig. Da bekamen der Bauer, der kleine Fuchs und der kleine Wolf es mit der Angst zu tun und nahmen Reißaus. Nur das Mädchen blieb stehen. Der Bär packte das Mädchen und verschwand mit ihm im Wald.
Als der Bauer zu Hause ankam, erzählte er die Geschichte seiner Frau. Die Frau sagt nun zu dem kleinen Fuchs und dem kleinen Wolf: Ihr müsst unsere Tochter finden. Geht in den Wald und sucht sie. Daraufhin durchsuchten sie den Wald. Am Abend des dritten Tages, wollten sie schon aufgeben, da sahen sie ein kleines Licht. Als sie näher kamen, erblickten sie eine kleine alte Hütte. Als sie in die Hütte hineinschauten, entdeckten sie das Bauermädchen. Plötzlich öffnete sich ein kleines Türchen und ein schöner junger Prinz kam in die alte Hütte. Der Prinz gab dem Bauernmädchen einen Kuss und verschwand wieder durch die kleine Tür. Nun kamen der kleine Fuchs und der kleine Wolf in die Hütte. Da war die Freude groß. Das Mädchen erzählte, der nackte Bär habe sie in diese Hütte gebracht. Nachts ginge der nackte Bär dann immer durch das kleine Türchen in ein Zauberreich. In diesem Zauberreich würde aus dem nackten Bären dann ein schöner junger Prinz werden. Eine böse Hexe hatte nämlich den Prinzen, als er einmal durch den Wald geritten war, in einen Bären verzaubert, des Nachts musste er aber in einem Zauberreich der Hexe eine schwierige Aufgabe lösen: In dem Zauberreich der Hexe gab es ein großes Meer. Der Prinz sollte nun alle Wassertropfen zählen, aus denen dieses große Meer besteht. Schaffte er, alle Tropfen zu zählen, dann wäre er frei. Schaffte er es nicht, bekam er nichts zu essen, es sei denn, er könne Menschen, die er tagsüber im Wald treffe, überreden, ihm etwas abzugeben. Doch alle Menschen, die durch den Wald gingen, hatten Angst vor dem Bären, gaben ihm nichts und rannten obendrein schnell weg. Den Hunger spürte der Prinz aber nur tagsüber, wenn er als Bär im Wald hauste. Deswegen waren dem Bären schon vor Hunger die Haare ausgefallen. Gern hätte das Bauernmädchen dem Prinzen geholfen, doch die Hexe wohnte in dem Zauberreich, und jeder Mensch, der das Zauberreich betrat, musste sofort sterben. Als der kleine Fuchs und der kleine Wolf die Geschichte gehört hatten, waren sie sehr traurig. Da hatte das Mädchen aber eine Idee. Die Hexe hatte nicht die Macht, Tiere zu töten. Im Gegenteil, wenn eine Tier die Hexe berührte, musste sie sterben. Deswegen sollten der kleine Fuchs und der kleine Wolf dem Prinzen helfen, die Hexe zu vernichten. Am nächsten Abend versteckte der Prinz die beiden unter seinem Mantel und machte sich wie jede Nacht auf zum Meer des Zauberreiches, um die Tropfen zu zählen. Am Strand wartete schon die Hexe, um sich an der mühsamen Zählerei des Prinzen zu erfreuen. Doch nun ließ der Prinz den kleinen Fuchs frei. Geschwind hüpfte er der Hexe entgegen. Doch die sprang zur Seite und der kleine Fuchs fiel ins Meer und ertrank. Da lachte die Hexe den Prinzen aus. Doch plötzlich packte sie der kleine Wolf am Bein und ließ die Hexe nicht mehr los. Langsam verfärbte sich die Hexe erst blau, dann grün dann rot. So fing sie an zu glühen und fiel rotglühend ins Meer - so, dass alles Wasser des großen Meeres verdampfte - bis auf einen einzigen Tropfen. Als die Hexe in den letzten Zügen lag, sagte der Prinz zu der Hexe: Dein Meer besteht aus einem einzigen Tropfen Wasser. Da verendete die Hexe und ihr Zauberreich löste sich in Luft auf, und auch der kleine Fuchs war wieder lebendig. Das Bauernmädchen feierte im Schloss des Prinzen Hochzeit und auch der kleine Fuchs und der kleine Wolf wohnten von nun an in dem Schloss. Den Eltern des Mädchens schenkte der Prinz einen großen Bauernhof mit hundert jungen Kühen, und alle lebten noch lange Zeit und waren glücklich miteinander.
siehe auch: http://dernacktebaermaerchen.oyla11.de/