Die Nacht vor Heiligabend.
Die Nacht vor Heiligabend
Es war der 23. Dezember... also ein Tag vor Heiligabend. Die Landschaften waren mit einem weißen Mantel aus Schnee bedeckt, man könnte meinen es wäre Zuckerguss. In einem Haus saß ein kleines Mädchen am Fenster und schaute heraus. Marie hieß das Mädchen. Sie beobachtete die spielenden Kinder bei der Schneeballschlacht oder beim Schlittenfahren denn vor dem Haus gab es einen kleinen Hügel. Die anderen Kinder lachten und tobten herum. Marie hätte gerne mit gespielt doch sie durfte nicht. Sie lebte bei ihrer Tante, die es ihr verboten hatte mit den anderen Kindern zu Spielen. „Das ist kein Umgang für eine kleine Dame.“ Dabei war Marie erst 11 Jahre alt also keine Dame ja noch nicht einmal ein Fräulein. Sie war ganz einfach ein Kind. Ein Kind das spielen wollte. Ihre Tante war arrogant und kam sich als etwas Besseres als die anderen Menschen hier vor, da sie ein großes Haus besaß. Es war auf jeden Fall 5 mal so groß wie jedes andere Haus im Umkreis von 10 Km. Marie saß da und schaute aus dem Fenster, und sah wie manche Eltern von den Kindern aus der Stadt kamen, sie hatten Tüten dabei. Marie dachte sich, da sind bestimmt Geschenke drin. Was sie zu Weihnachten bekommen sollte, wusste sie schon. Ein paar Handschuhe und einen Schal den sie selbst gestrickt hatte. Ihre Tante meinte: „Zu Weihnachten schenkt man sich nichts, das ist nur unnötige Geld- und Zeitverschwendung!“ Es war eine böse Tante, doch Marie trug dies mit Fassung, denn Marie hatte das Stricken von Ihrer Mutter gelernt. Sie saßen oft zusammen und strickten. Maries Mutter erzählte dann immer Geschichten. Marie sah einen kleinen Jungen, er rannte durch den Schnee und lachte, doch ab und zu blieb er stehen und zog sich den Kragen von seiner Jacke immer etwas höher in seinen Nacken, und rieb sich seine Finger. Marie sah, das er keinen Schal und keine Handschuhe an hatte. Doch der kleine Junge lachte und jedes mal, wenn er einen Schneeball geformt und in dann in Richtung der anderen schmiss, blies er sich wärmend den warmen Atem in die Handflächen. Da machte Marie das Fenster auf und rief dem kleinen Jungen zu „ He du komm doch bitte ein mal her“ der kleine Junge kam und fragte ganz schüchtern: „Ja...was kann ich für Sie tun gnädiges Fräulein? „ „Ich bin kein Fräulein, mein Name ist Marie, hier... ich habe etwas für Dich, warte einen Moment“ Marie ging an ihren Schrank und holte den Schal und die Handschuhe heraus. Sie hatte sie noch nicht eingepackt. Warum auch... sie schenkte sich diese Sachen ja auch selbst. Sie suchte dann noch eine Schnur, band den Schal und die Handschuhe daran und ging zurück zum Fenster und ließ den Schal mit den Handschuhen an der Schnur langsam aus dem Fenster gleiten. „ Hier... das ist für Dich, ich wünsche Dir ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest.“ Der kleine Junge schaute ungläubig drein. Er sagte: „ Danke meine Eltern wollten mir schon die ganze Zeit diese Sachen kaufen, doch das Geld reicht gerade für das Essen meinte mein Vater. Denn Wolle ist sehr teuer, vor allen Dingen Wolle die auch richtig warm hält meint meine Mutter.“ So, was bekommst du denn sonst zu Weihnachten fragte Marie? Der Kleine Junge antwortete, ich habe mit meinem Vater zusammen aus einem Stück Holz das wir aus dem Wald geholt haben ein Schaukelpferd gebaut. Mein Vater kann nämlich sehr gut mit Holz umgehen.“ „Das ist aber schön sagte Marie.“ Sie hörte wie Ihre Tante die Treppenstufen herauf kam. „So, ich muss jetzt leider wieder zurück,“ sagte der kleine Junge Er schaute noch einmal auf die Geschenke und bekam ein Leuchten in den Augen „ Ich wünsche auch Dir Marie ein wunderschönes Weihnachtsfest, und nochmals vielen Dank für die Sachen, Gott möge Dich beschützen.“ Er zog den Schal und die Handschuhe über, und rannte wieder zu den anderen. Marie schaute ihm hinterher. In diesem Moment ging die Tür auf und ihre Tante stand da. „Marie was machst du da?“ Nichts“ sagte Marie und schloss schnell das Fenster. Marie lebte bei ihrer Tante, weil ihre Eltern genau vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben kamen. Seit dem lebte Marie nicht gerade glücklich bei Ihrer Tante, doch hat sie sich damit ab gefunden, obwohl sie die Eltern sehr vermisste...gerade jetzt in dieser besinnlichen Zeit. Sie musste daran denken, wie es an Heiligabend zu Hause war. Mit Plätzchen und Kakao unter dem Weihnachtsbaume, der Vater der eine Geschichte vor las und die Mutter die mit einer Decke über den Beinen auf dem Sofa saß. Und später packten sie alle zusammen die Geschenke aus. Das war ein Heiden Spaß. Sie haben viel gelacht, doch jetzt war das Lachen verschwunden. Marie musste weinen. Ihre Tante die noch immer im Zimmer stand meinte „So Marie, heute vor einem Jahr ist dieses Unglück geschehen und aus diesem Grunde werden wir ohne Essen zu Bette gehen... als Buße das Du nicht vergießt wer Dich jetzt durchfüttert.“ Als würde Marie dies vergessen können. Und durchfüttern.... sie war doch kein Tier!! Aber auch dieses mal sagte Marie „ Ja Tante so soll es geschehen.“ Ach Marie was für ein Tapferes kleines Mädchen du doch bist. Als ihre Tante wieder aus dem Zimmer war, schaute Marie noch einmal aus dem Fenster. Der kleine Junge tobte immer noch herum, doch so wie es aussah fror er nicht mehr. Marie begann zufrieden zu lächeln, sie löschte das Licht und legte sich in ihr Bett. Sie schlief ein, mit dem Gewissen einem Menschen geholfen zu haben. Sie träumte von Kakao und Plätzchen. Spät in der Nacht wurde Marie wach, sie öffnete ihre Augen und glaubte zu träumen. Ein heller Lichtschein direkt vor dem Bett, es wurde immer heller und eine menschliche Gestalt schien durch das Gleisente Licht zu treten.
Eine Stimme erklang „Marie... fürchte dich nicht.“ Marie fragte „wer bist du?“ Die Stimme antwortete: Ich bin ein Engel, gekommen um Dir zu sagen, was Du heute getan hast war eine selbstlose und uneigennützige Tat. Es gibt nur noch wenige Menschen, die so ein großes Herz für die anderen Menschen besitzen. Und da es die Nacht vor Heiligabend ist, und Du gezeigt hast das man teilen soll, um nicht des selbst Willens, hast Du einen Wunsch frei. Marie, die noch immer dachte sie würde träumen, sagte: „ Ich habe dies aus freien Stücken gemacht, denn was ich geben kann, das werde ich immer geben. Meinen Wunsch kannst Du leider nicht erfühlen, aber sage mir ob es meinen Eltern gut geht?“ Und der Engel sprach: „ Ja sie sind bei uns. Sie haben viel von dir erzählt, sie beobachten Dich, wenn Du abends zu ihnen betest. Ich soll Dich grüßen, mache Dir keine Sorgen... sie warten auf Dich, bis Du an die Himmelspforten klopfst. Doch sage Deine Wunsch Marie“. „Ich würde mir wünschen, dass meine Tante nicht mehr so verbittert und grausam sein sollte, doch ist dies nicht richtig da es gegen ihren freien Willen geschehen würde. Ich beuge mich meinem Schicksal. Sage meinen Eltern, ich habe sie lieb. Sie werden immer in meinem Herzen sein.“ Der Engel sprach: „Gesegnet seihst Du, Marie.“ Er ging zurück in den Lichtschein, und es wurde langsam wieder dunkel in Maries Zimmer. Als Marie am Weihnachtsmorgen erwachte, dachte sie: „Was für ein verrückter Traum....“
Sie zog sich an, und machte sich auf den Weg in die Küche um zu frühstücken. Dort stand ihre Tante mit einer Schürze umgebunden und einer Tasse dampfenden Kakao in der Hand. „Hier Marie... der ist für Dich. Mir ist heute Nacht ein Engel erschienen und er sprach zu mir. Da wurde mir klar, dass ich schon zu lange nur an mich gedacht habe und deshalb auch so alleine und misstrauisch den anderen Menschen gegenüber war. Mein Herz war erkaltet, weil mir die Wärme der anderen fehlte. Er zeigte mir Nächstenliebe, er zeigte mir Dich! Es tut mir Leid was ich Dir angetan habe, doch geht diese Veränderung von mir, aus freien Stücken hervor gebracht aus. Ohne Zwang und Hokuspokus. Ich habe für heute Abend alle Nachbarn zum Abendessen eingeladen. Und wir Zwei backen jetzt Plätzchen. Ach Marie... ich danke Dir. Das Leben kann doch so schön sein, wenn man etwas von sich gibt, demjenigen der nicht viel hat. Und so kam es, dass es am Weihnachtsabend im Hause nach Kakao und Plätzchen duftete. Ein Weihnachtsfest gefeiert wurde, von dem noch lange Zeit gesprochen wurde. Und alle Jahre wieder kamen die Leute zusammen, um das Fest der Nächstenliebe im Hause von Maries Tante zu feiern. Dies soll uns allen ein Beispiel sein, nicht nur an sich, sondern auch an andere zu denken. Denn geben ist seliger als nehmen. Ich wünsche allen Menschen auf der ganzen Welt ein gesegnetes fröhliches Weihnachtsfest.
(so sprach Marie an diesem Abend, und das gleiche gilt für mich!)