In einem Land weit weit weg, lebte der Riese Krautbart mit seiner Riesenfrau Schmatzia. Sie waren die einzigen überlebenden Riesen in diesem Land und so waren sie besorgt, dass sie bald aussterben würden. Eines Nachts brummelte Krautbart deshalb laut vor sich hin: Wenn wir nicht bald ein Kind bekommen, sind wir Riesen für alle Zeiten verloren! Ein Wunder passierte. Schon jahrelang hatten sie probiert, ein Kind zu bekommen und erst jetzt klappte es – Schmatzia wurde schwanger. Es kam der Tag der Geburt und Schmatzia wollte allein sein, wie es bei Riesenfrauen der Brauch war. Krautbart war ganz unruhig und wanderte ziellos herum. Als Schmatzia endlich zurückkam, machte diese ein tod-trauriges Gesicht – sie kam mit leeren Händen! Krautbart geriet darüber so in Verzweiflung, dass er den ganzen Riesenwald verwüstete und dazu brüllte wie ein wildes Tier. Nachdem er sich etwas beruhigt hatte, musste ihm seine Frau die Geburtsstelle zeigen. Von dem vielen Fruchtwasser war an dieser Stelle ein wunderschöner See entstanden. Es wuchsen dort allerschönste Blumen, Bäume und Sträucher. Die beiden Riesen freuten sich zwar darüber, aber so ganz waren sie noch nicht über den Schmerz der Kinderlosigkeit hinweg.
Plötzlich hörten sie eine ganz zarte Stimme vom Waldboden her fragen: Was seid ihr so traurig meine Lieben? Die zwei Riesen schauten sich verblüfft um und sahen nach langem Suchen ein winziges Kind zwischen den Blättern sitzen. Krautbart nahm das Wesen in seine grossen Pranken und guckte es von allen Seiten an – es glich ganz genau seiner Frau Schmatzia! Auch Schmatzia betrachtete den Winzling und gestand sich ein, dass genau so ihr Krautbart aussah – nur viel grösser natürlich. Beide konnten es fast nicht glauben, doch es war ihr Wunschkind!
Dass sie eigentlich ein Riesenkind wollten, hatten sie ganz vergessen und sie freuten sich jede Minute an diesem wundervollen Geschöpf. Der Riesenvater lernte, dass er vorsichtiger durch den Wald gehen musste und dass er auch zu den kleinsten Lebewesen Sorge tragen sollte. Schmatzia hatte gelernt, dass auch aus hoffnungslosen Tagen Wunderbares zutage werden konnte.
So lebten sie noch glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Riesentage…