Ramona und der Frisör
Liebe Leute gebt fein 8, der "Jupp" hat Euch was mitgebracht.
Frau Pustel ist Hartz IV Empfängerin und muss jeden Euro umdrehen. Außerdem ist sie im sechsten Monat schwanger. Wie man ja aus Erfahrung weis, legen Schwangere gelegentlich ein unnormales Essverhalten an den Tag. Gurken mit Sahne ist eine beliebte Kombination. Frau Pustel isst gerne Feldsalat mit Schokolade.
Da ihre Stütze diesen Luxus nicht zulässt, wird Frau Pustel zur Ladendiebin. Bei ihrem "Einkauf" wird sie aber vom Ladendetektiv, Herrn Zaubara, erwischt. In seinem Büro erklärt Frau Pustel unter Tränen ihre Lage und bittet um Verständnis. Mit erhobenen Zeigefinger lässt Herr Zaubara die Schwangere gehen.
Als dann eine Woche später Frau Pustel wieder dabei erwischt wird, wie sie "günstig einkauft", versucht sie erneut den Trick mit der Heulerei. Diesmal schüttelt der Detektiv aber den Kopf. Es sei denn... "Ich bekomme das Kind direkt nach der Geburt!"
Um nicht schwanger ins Gefängnis zu müssen, erklärt sich Frau Pustel damit einverstanden.
So kommt es, dass am Tag der Geburt Herr Zaubara vor dem Kreissaal steht und die kleine Ramona mit nach Hause nimmt.
20 Jahre später macht der Frisör Fred Friese eine Besichtigung auf einem Schloss am Niederrhein. Hier erfährt Fred alles über die Geschichte des alten Gemäuers.
"Einige Einheimische erzählen von einem greisen Mann, der nach Sonnenuntergang seine Tochter im Schlossturm mit Lebensmittel versorgt..." schmunzelte der Leiter der Führung. "Einziger Zugang zum Turm ist allerdings ihr langes Haar, welches sie aus dem Fenster herab lässt."
Danach ist die Führung zu Ende.
Da es noch früh am Nachmittag ist, beschliesst Fred, noch eine Kleinigkeit im Restaurant zu essen. Als die Sonne dann unter geht, will er sich auf den Heimweg machen, da kommt ihm ein alter VW Käfer auf dem Parkplatz entgegen. Darin sitzt ein greiser Mann, der Richtung Schloss fährt. Fred kann es nicht glauben, so dass seine Neugier ihn dazu bewegt, dem Mann zu folgen. Tatsächlich läuft der Greis um das Gebäude direkt auf den Turm zu. Versteckt hinter einem Rosenbusch sieht Fred, was er nie für möglich gehalten hat.
"Ramona - Ramona, lass die Leiter herunter!" hört er den Greisen rufen.
Kurz darauf lässt jemand eine Strickleiter herab. Fred wartet, bis der greise Mann wieder gegangen ist. Neugierig will auch er nun sein Glück probieren.
"Ramona - Ramona, lass die Leiter herunter!"
Etwas wackelig klettert der Frisör Fred Friese die Leiter hinauf. Er zwängt sich durch das kleine Fenster und steht sprachlos vor der schönen Unbekannten.
"Du hast wunderschönes Haar!" schwärmt er begeistert.
"Wer sind sie?" Ramona ist verunsichert. Noch nie hat sie einen fremden Mann gesehen.
"Ich heiße Fred und bin Frisör. Ich würde gerne deine Haare schneiden, sie sind wunderschön."
Ramona ist einverstanden und Fred beschließt, bei Sonnenaufgang mit entsprechendem Equipment wieder dort zu sein.
Das Frisör-Herz schlägt höher, als Fred nach allen Regeln der Kunst Ramona einen neuen Haarschnitt verpasst. Waschen, Legen, Schneiden, Föhnen. Ramona freut sich über ihren neuen Look und Fred über die langen Haare, die er als Deko in seinem Schaufenster ausstellen möchte.
Nur der greise Mann, der am Abend das Essen bringt, tobt fürchterlich. Sofort beschließt er, Ramona in ein katholisches Mädcheninternat zu stecken und den verantwortlichen Frisör zur Rede zu stellen.
Am nächsten Morgen betritt der greise Mann den Salon von Fred Friese. Dieser erkennt den Greisen sofort und geht auf ihn zu. Nach einem lautstarken Wortgefecht greift der Mann zu einer Dose Haarspray und sprüht sie Fred ins Gesicht. Danach verschwindet er unerkannt. Fred dagegen zieht sich schwere Gesichtsverletzungen zu und erblindet, da seine Zigarette das auf ihn gerichtete Spray entzündet hat.
Vom Schicksal gezeichnet verliert Fred nach und nach den Lebensmut, so dass er einige Jahre später Insolvenz anmeldet. So kommt es, dass er eines Tages selber zum Frisör gehen muss. Dort hört er plötzlich eine vertraute Stimme. "Ramona?!"
Ramona hatte die katholische Anstalt noch in der gleichen Nacht wieder verlassen und eine Lehre als Frisöse begonnen. Nun arbeitete sie hier schon seit vielen Jahren.
Auf Drängen von Fred Friese macht sich Ramona mit einem eigenen Salon selbstständig (er darf ja nicht mehr).
Auch heute noch ist "Ramonas Haarstudio" eine angesehene Adresse am Niederrhein. Fred ist hier als geringfügig Beschäftigter angestellt. Denn Haare waschen geht auch blind!
Offiziell lebt Fred als Untermieter bei Ramona, so dass er Mietbeihilfe und sonstige Vergünstigungen beziehen kann. Hoch lebe Deutschland!
Und wenn sie nicht gestorben sind ...