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| Vollmond im Elfenhain |
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Vollmond im Elfenhain
Mit einem milden Lächeln blickte Vater Mond zur Erde. Langsam wanderte er über Dorf und Stadt, Wald und Feld. Er schaute zu den Kindern ins Fenster und sandte ihnen süße Träume. Er begleitete Menschen durch die Nacht, die noch spät unterwegs sein mussten. Langsam wanderte er weiter. Dort hinter dem Tannenwald erreichte er die Waldlichtung. Hier weilte der alte Mond besonders gerne. In den Vollmondnächten zur Sommerzeit trafen sich hier die Elfen und führten die schönsten Tänze auf. Dort die Kleine mit dem zarten türkisfarbenen Röckchen hatte Vater Mond besonders ins Herz geschlossen. Wie graziös sie sich im Tanze wiegte, es war eine Freude ihr zu zusehen. Warum schob sich nur gerade jetzt diese dicke, schwarze Wolke vor den Mond, er war etwas ungehalten. Als die Wolke endlich weiterzog, konnte er sich zwar weiterhin am Treiben der Elfen erfreuen, sein kleiner Schützling war jedoch verschwunden. In jede Ecke, unter jeden Strauch leuchtete der Mond, aber alles suchen war vergeblich. Betrübt zog er sich gegen morgen zurück um Frau Sonne den Platz am Himmel ein zu räumen. Weiter zog er seine Runde um die Erde, immer an die kleine Elfe denkend. ‚In der kommenden Nacht werde ich sie sicher wieder sehen‘ dachte er. Kaum konnte es Vater Mond erwarten die Waldlichtung zu erreichen. Auch in dieser Nacht schaute er vergeblich nach der Kleinen aus. ‚Da muss etwas geschehen sein‘ ließ es ihm keine Ruhe. Diesmal wollte er auf Frau Sonne warten um ihr seinen Verdacht mit zu teilen. ‚Auch wenn die Elfen sich vor der Sonne zurück ziehen ins Dickicht des Waldes, so konnte es doch sein, dass sie im Licht des Tages mehr sah als er mit seiner nächtlich, matten Leuchtkraft‘ dachte der Mond. Frau Sonne war gleich bereit Ausschau zu halten. Besonders aufmerksam sah sie in jeden Winkel der Waldwiese. Viel Freude bereitete es ihr dem eifrigen Treiben der Käfer und Insekten zuzusehen. Heute war jedoch einiges anders als sonst. ‚Wieso hatte sie es nicht gestern schon gemerkt wie still es auf der Wiese war‘ überlegte sie. Besorgt sah sie in jeden Winkel. War dort nicht ein Zipfel türkisfarbenen Stoffes? Lange sann sie nach, dann kam sie zu dem Entschluss den Sonnenvogel zu schicken. „Die kleine Elfe ist in Gefahr? Gerne helfe ich“ antwortete dieser als er die Geschichte kannte. Gleich flog er zur Wiese und verbarg sich dort in einem Ebereschenstrauch um von hieraus Ausschau zu halten. ‚Frau Sonne hatte schon recht, seltsam ruhig ist es hier‘ dachte der Vogel. Eine beengende Stille lastete auf der Lichtung. Dort unter einem schweren Stein, sah ein Stückchen des besagten Stoffes hervor. Nein bewegen konnte der Vogel diesen Stein nicht, aber beobachten. ‚Irgendwann wird schon etwas geschehen‘ dachte er bei sich. Es kam der Mittag, der Abend, die Nacht. Der Sonnenvogel wurde hungrig und müde, er rührte sich jedoch nicht von seinem Wachposten. Wenn er einmal einen Auftrag übernommen hatte, führte er ihn auch aus. In sanftes Mondlicht war die Elfenwiese getaucht, als der Vogel ein Geräusch wahrnahm. Langsam bewegte sich der schwere Stein von der darunter liegenden Höhle. Zum Vorschein kam ein Gnom. Er reckte sich, blickte um sich und sang „Mir gehört das Reich allein, hier werden nie mehr Elfen sein“. ‚Nicht mehr lange‘ nahm sich der Sonnenvogel vor, breitete seine Flügel aus, ließ sich gleiten und flog immer im Kreis um den Gnom herum. Verzweifelt hielt sich dieser die Hände vor die Augen, vom grellen Licht des Sonnenvogels geblendet. Zusehens schrumpfte er zusammen da er das Licht der Sonne nicht vertragen konnte. Der Vogel näherte sich jetzt der Höhle und rief „kleines Elfchen komm herbei, sieh du bist nun wieder frei“. Mit zerrissenem Kleidchen, verschmutzt und mit wirrem Haar erschien die Elfe am Eingang der Höhle. „Setz dich auf meinen Rücken“ forderte der Vogel auf „ wir fliegen zum Bach, dort kannst du baden, dann fliegen wir zum Mond der bestimmt schon ein neues Kleid für dich aus Mondenschein gewebt hat. Jetzt ging ein Lächeln über das Gesicht des kleinen Wesens. Wie froh war der alte Mond, dass alles so gut ausgegangen war. Der Gnom schleppte sich mit letzter Kraft in sein unterirdisches Reich. Krachend verschloss der Stein für die nächsten hundert Jahre die Höhle. Auf der Wiese ging das Leben mit frohem Tanze weiter bis sich der Sommer verabschiedete und der Herbst einzog. © ChT
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