Die hässliche Schwester
Es waren einmal zwei Mädchen, die waren Schwestern und beide wunderschön anzusehen. Die eine Schwester hatte schwarze Haare und schöne blaue Augen wie das Meer. Die andere aber hatte Haare wie aus Gold und war von elfenhafter Gestalt.
Die eine Schwester war immer gut zu den Menschen, half den Armen und den Schwachen.
Die zweite Schwester jedoch war schwarz von Herzen und besaß Hexenkräfte und war schlecht zu ihrer Schwester wo sie nur konnte. Hielten die Männer um die Hand ihrer Schwester an, erzählte sie ihnen stets Lügen und hatte die eine Schwester Freunde, so waren es alsbald Feinde. So kam es also, dass das liebe Mädchen von den Menschen nicht mehr beachtet wurde. Ihre Schwester jedoch wurde nun von allen Menschen im Dorf geliebt und war freundlich und hilfsbereit wie es die Schwester einst gewesen war.
Es trug sich aber zu, dass ein schöner Prinz ins Dorf kam. Er war aus einem fernen Königreich und auf der Suche nach seiner Braut. So befahl er also alle Mädchen des Dorfes im heiratsfähigen Alter zu versammeln und als dies getan war, da sah er sofort das Mädchen mit dem traurigen Blick, den schwarzen Haaren und den blauen Augen und verliebte sich auf der Stelle in sie. So sollte also die Heirat stattfinden.
Als ihre schlechte Schwester das erfuhr, war sie außer sich vor Zorn und erzählte dem Prinzen Lügen wie sie es stets tat. Der Prinz jedoch ließ sich nicht täuschen und veranlasste seine Diener die Hochzeitsvorbereitungen zu treffen.
So kam es, dass das Mädchen mit dem goldenen Haar ihre Schwester traf, um ihr das Hochzeitsgeschenk zu überreichen. Als ihre Schwester es dankend öffnete da lag darin ein Kuchen, der aussah wie aus Gold gemacht und von betörendem Geruch. Da sprach das schlechte Mädchen: „So iss doch, ich habe ihn für dich gemacht“. Die liebe Schwester tat wie ihr geheißen. Es ergab sich aber, dass der Kuchen verhext war und kaum hatte sie einen Bissen getan ward sie von hässlichem Antlitz und stumm.
Da war die böse Schwester zufrieden und sagte dem Prinzen seine Braut sei tot. So fragte er wer es getan hatte und das schöne Mädchen zeigte auf ihre stumme Schwester und sprach: “Dies hässliche Kind konnte es nicht ertragen ihre Schönheit zu sehen und warf sie in den Fluss.“ So geschah es, dass der Prinz das hässliche Mädchen einsperren wollte, denn er erkannte es nicht. Das Mädchen mit den goldenen Haaren aber war voll Freude, wenn sie in das hässliche Antlitz ihrer einmal schön gewesenen Schwester blickte und so wollte die schöne Schwester sie bei sich haben. Sie erklärte also dem Prinzen sie habe Mitleid mit dem hässlichen Kind und fortan glaubten der Prinz und alle Menschen sie seit gut, denn sie würde sogar denen helfen, die Schlechtes taten.
Der Prinz aber ward nun sehr traurig über den Tod seiner schönen Frau und ritt von dannen.
Das Mädchen mit dem wunderschönen goldenen Haar und ihre hässliche Schwester blieben im Dorf. Die Schöne war stets freundlich und wurde von allen geliebt. Sie lachte immer, niemand sah sie jemals mit traurigem Blick und stets wusste sie eine Lösung auf jedes Problem. Darum nannten die Menschen im Dorf sie nur noch Sternenkind.
Sie wussten jedoch um das Kind, das stets bei ihr war und die war hässlich anzuschauen, lachte nie, sprach kein Wort und war immer allein. Die Menschen im Dorf lobten das schöne Mädchen und alle jungen Männer hielten um ihre Hand an, doch je mehr sie das taten, desto weniger Aufmerksamkeit bekam ihre Schwester.
Eines Tages kam ein stattlicher Mann in das Dorf geritten. Es war der Prinz, der Sternkinds Schwester einst heiraten wollte und er war gekommen um das schöne Mädchen mit den goldenen Haaren wiederzusehen. Als er sie sah da war er sicher, dass er sie heiraten wolle. Das schöne Mädchen hatte nur eine Bedingung. Das hässliche Kind sollte mit ihr im Schloss wohnen.
Nach der Heirat lebten sie neben dem Dorf, im Schloss, dass der Prinz für Sternkind gebaut hatte. Das Schloss war aus purem Gold und mit den schönsten Edelsteinen besetzt. Sternkind bekam die schönsten Kleider und jeden Tag da wurde sie noch schöner und ihr Haar wurde noch goldener. Der Prinz aber weinte jede Nacht wieder und wieder um das schöne Mädchen, das er einst heiraten wollte.
Trotzdem trug es sich zu, dass nach einiger Zeit die Königin ein Kind gebar. Es war ein Mädchen mit wunderschönen blauen Augen und schwarzem Haar.
Die Königin aber dachte nun daran wie schön ihre Schwester einst war und hatte Angst das Kind würde genauso schön.
So geschah es, dass die schöne Königin mit ihrem Kind zum Fluss ging und es ertränken wollte. Ihre stumme Schwester aber war ihr gefolgt und sah die Mutter mit dem Kind am Fluss und sah wie das Kind im Wasser war. Also lief sie hin, entwandt der schönen Schwester das Kind und drückte es und lief zurück ins Schloss. Als sie das Kind zum König brachte da lag tiefe Trauer in ihrem Blick. Als die Königin jedoch zum König kam, sprach sie zu ihm: „Ich sah sie wie sie mein Kind unters Wasser hielt. Obwohl ich es war, die ihr half. Nun kann ich es nicht mehr!“
Der König ließ das hässliche Mädchen fortan im Kerker leben bei Wasser und Brot. Es weinte jeden Tag bitterlich und so trug sich zu, dass der schöne König Mitleid hatte. Also sprach er mit seiner Frau, die meinte: „Lass sie ruhig im Kerker. Aber wenn sie etwas Gutes isst, wird es ihr sicher besser sein“.
Da fand er bei seiner Königin einen Kuchen, der schön duftete und aussah wie aus Gold und Silber. Er schnitt ein Stück ab und ging zum hässlichen Mädchen. Die Stumme biss ein Stück ab und aus dem hässlichen Mädchen wurde wieder ein wunderschönes Mädchen mit blauen Augen wie das Meer und schwarzen Haaren. Als das der König sah, durchschaute er die schwarze Seele seiner schönen Frau und verbannte sie aus seinem Königreich.
So heiratete der König seine richtige Gemahlin und das liebe Mädchen wurde zur Königin. Das Kind war nun ihres und fortan lebten sie in Glück und Frieden.