Die Idee
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Die Idee

Karna war ein kleines Mädchen und sie lebte in einem Dorf namens Loftun. Es war kein besonders großes Dorf. Man wußte um die Sorgen und Nöte der anderen und half sich gegenseitig, so gut man konnte. Loftun war also ein ganz normales Dorf, so wie es viele gibt. Auch Karna war eigentlich ein ganz normales kleines Mädchen, so wie man sie in jedem normalen Dorf auf den Straßen sehen kann. Vielleicht war Karna ein wenig aufgeweckter als andere kleine Mädchen, möglicherweise war sie gelegentlich auch nachdenklicher, ich weiß es nicht. Damals war ich selbst noch ein Junge, auch nur sieben Jahre älter als sie. Aber eines weiß ich genau, eine Sache unterschied Karna von allen Mädchen, die ich kannte, sie hatte eine Idee, die sie nicht mehr losließ.
Ich glaube, Karna war damals acht Jahre alt, als sie mir das erstemal davon erzählte. Die Idee war wirklich gut, und ich wäre froh gewesen, wenn es geklappt hätte, aber ich glaubte damals nicht ernsthaft daran. Ich hielt es für eine Spinnerei, so wie sie kleine Kinder oft haben und dachte, sie würde diese Idee bald wieder vergessen.
Dem war aber nicht so, immer wieder erzählte Karna mir von dieser Idee. Manchmal lag eine Woche dazwischen, manchmal ein Monat und einmal, als ich schon glaubte, sie hätte die Idee jetzt endgültig aufgegeben, erzählte sie mir nach einem halben Jahr wieder davon. Ich kannte Karna ziemlich gut, denn wir waren Nachbarn und irgendwie war sie wie eine Schwester für mich. Deshalb machte ich mir auch Sorgen um sie. Karna kam der Verwirklichung ihrer Idee einfach nicht näher. Schon vielen hatte sie davon erzählt. Die meisten fanden die Idee auch ganz gut und manche waren sogar davon begeistert. Andere, vor allem die älteren, sagten gleich, das sei doch nur ein Hirngespinst, oder sie lächelten nur und dachten sich ihren Teil. Wenn die Leute so reagierten, kam Karna meistens zu mir und weinte sich aus, weil sie niemand verstand. Dann wußte ich nie so recht, wie ich mich verhalten sollte, aber sie beruhigte sich zum Glück meistens schnell wieder. So ging das etwa vier oder fünf Jahre. Mir war klar, irgend etwas mußte geschehen, doch ich wußte nicht was.
Zu dieser Zeit kam ein Wanderer vorbei und fragte, ob er bei uns im Heuschuppen übernachten könne. Da er einen ordentlichen Eindruck machte, hatten meine Eltern nichts dagegen. Also zeigte ich ihm, wo er schlafen könne. Da kam Karna neugierig herbeigelaufen. Es ergab sich, daß Karna und ich noch bei ihm blieben, und er erzählte uns, was er alles auf seiner Wanderung erlebt hatte. Er hatte bestimmt über eine Stunde lang erzählt, doch er berichtete so spannend, daß ich erst als dunkel wurde bemerkte, wie spät es schon war. Gerade wollte ich Karna nach Hause schicken, da begann sie, dem Mann von ihrer Idee zu erzählen. Zu oft hatte ich die Geschichte gehört, an diesem Abend wollte ich sie mir nicht schon wieder anhören. Darum sagte ich ihr nur noch, sie solle nicht vergessen, nach Hause zu gehen, und ging dann selbst ins Haus.
Der Wanderer zog am nächsten Morgen weiter und zunächst war alles wie zuvor. Doch in den darauf folgenden Wochen bemerkte ich langsam, daß sich Karna verändert hatte. Sie erzählte mir nicht mehr so oft von ihrer Idee, aber wenn sie es tat, tat sie es bestimmter als früher. Des öfteren bat Karna mich um einen Gefallen und es fiel mir meistens nicht schwer, ihre Bitten zu erfüllen. Nicht nur mich, sondern auch einige andere spannte sie in ihre Pläne ein. Manche halfen ihr, manche auch nicht.
Aber - und das war entscheidend - Karna arbeitete zielstrebig auf die Verwirklichung ihrer Idee hin. Oft gab es Rückschläge für sie und dann kam sie oft zu mir, um mir von ihren Schwierigkeiten zu erzählen. Ich sagte ihr dann immer, daß sie es schaffen würde. Am Anfang sagte ich das nur, um sie zu trösten. Später glaubte ich daran und irgendwann wußte ich es, ich wußte, sie würde es schaffen, ihre Idee zu verwirklichen. Es dauerte wohl ein gutes Jahr, und ich kann mit Sicherheit sagen, zu Anfang dieses Jahres hätte kein Einwohner von Loftun daran geglaubt, daß diese Idee je Wirklichkeit werden könnte. Und doch hatte Karna es geschafft und sie war stolz darauf, das durfte sie auch sein.
Oft habe ich Karna gefragt, was an jenem Abend war, als sie mit dem Wanderer gesprochen hatte. Doch als Antwort erhielt ich immer nur ein Lächeln. Eines Tages, sie muß neunzehn Jahre alt gewesen sein, verließ Karna das Dorf. Einmal hörte ich noch, sie sei jetzt in einem anderen Land. Das war das letzte, was ich über sie erfahren habe. Noch heute - ich bin jetzt schon ein alter Mann - muß ich oft an Karna zurückdenken.
Du willst jetzt sicher wissen, was das für eine Idee war, aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, daß Karna ihre Idee verwirklicht hat.
Hast Du auch eine Idee , wie Karna?
Man sollte sie nicht nur in seinen Träumen haben .Es ist wichtig daran zu glauben und irgendwann reift die Idee zu einem Ganzen . Dann wird sie Wirklichkeit .
Karna ist jetzt glücklich und ein reifer Mensch .