von Elchen und Trollen
Mitten in Schweden, kurz hinter Svenljunga, in einem schönen Laubwald, lebten zwei junge Elchkühe. Sie waren Schwestern und hingen sehr aneinander. Die Ältere von Beiden hieß Elaho, die Jüngere hieß Hirvi. Die Beiden taten den ganzen Tag nicht viel anderes, als durch den Wald zu laufen und nach Dingen zu suchen, die Elche gerne fressen. Elaho mochte besonders gern die Spitzen der Kiefern und Hirvi liebte Ahornblätter über alles. Aber sie fraßen auch Gras, Moos und was sonst noch so an Kraut und Baumlaub im Walde wächst.
Jeden morgen machten sie sich einen Spaß daraus, mit den Hasen um die Wette zu laufen und jeden Abend trafen sie sich mit ihrem Freund, dem kleinen Troll Grün. Er wusste von jedem Tier im Wald Bescheid und konnte so schöne Geschichten erzählen . Der Troll wohnte unter einem Findling am Rande einer Lichtung im Walde. Seinen Namen hat er der Farbe seiner Haare zu verdanken, die Grün wie das Moos sind und auch so aussehen. Troll Grün hat eine große Knollnase, spitze Ohren, sehr, sehr große Füße und einen runden Bauch.
Es war an einem Septembermorgen, der sehr verregnet war, dass Elaho die Straße überquerte, um von ihrer Lieblingsspeise, den Kiefernnadeln zu fressen. Hirvi hingegen lief tiefer in den Wald um noch an anderen Ahornbäumen zu knabbern. Immer tiefer lief sie in den Wald, weil diese Bäume nicht so dicht aufeinander standen und plötzlich stand sie an einem schönen See, in dessen Mitte eine Insel war, ganz mit Ahornbäumen bewachsen .
Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie groß plötzlich der Appetit für Hirvi wurde, deshalb stieg sie ins Wasser und schwamm hinüber.
Auf der Insel angekommen, sah sie, dass da Hirsche waren.
Die Elche gehören auch zur Hirschfamilie aber Hirvi kannte bisher nur Rehe und Rehböcke und von Hirschen hatte sie nur gehört. Ach, die sind ja wunderschön. Was für ein interessantes Geweih der Hirsch da trägt, wie die Äste eines Ahornbaumes und was für eine hübsche Nase er hat. Das andere sind wohl seine Hirschkühe, auch so Hübsche. Langsam ging Hirvi auf das Hirschrudel zu und versuchte dabei, ihr freundlichstes Gesicht aufzusetzen. Aber das hat ihr nicht viel geholfen, als die Hirschkühe Hirvi sahen, fingen sie an, aufgeregt herum zu laufen und riefen, dass sie verschwinden solle. Der Hirsch bemerkte die Aufregung, kam mit gesenktem Kopf angelaufen, um sein Rudel vor der vermeintlichen Gefahr zu verteidigen. Aber dann sah er, dass es nur eine Elchin war, die seine Kühe so aufregten und er fing an zu lachen und sagte: „ Hej du Dicknase, mach dass Du davon kommst. Mir deinen langen Trampelbeinen und der hässlichen Nase erschreckst Du ja meine Kühe. Verschwinde, das ist unsere Insel, hier dürfen nur Rothirsche sein. Lass dich hier nie wieder sehen, sonst lernst Du mein Geweih kennen.“ Was war Hirvi da erschrocken, als sie so böse beschimpft wurde. Traurig stöhnte sie laut auf, dass die Blätter an den Bäumen anfingen zu zittern. Schnell drehte sie sich um und schwamm wieder ans andere Ufer. Sie wollte sie nur noch schnell zu Elaho, um sich trösten zu lassen.
Elaho jedoch, als sie sich an Kiefernzweigen satt gefressen hatte, begann ihre Schwester zu suchen. Aber wohin sie auch blickte, nirgends eine Spur von Hirvi. Sie begann sie zu rufen, bekam aber keine Antwort. Voller Sorge lief sie zum Troll Grün, in der Hoffnung, dass Hirvi vielleicht dort zu finden ist. Schon von weitem sah sie, dass der Troll allein vor seinem Stein saß und sie rief „Grün, mein Lieber, hast Du Hirvi gesehen? Sie ist schon solange fort und ich bin in Sorge, es ist doch noch Jagdzeit. Du weist doch, wie sie ist, achtet auf jeden Schmetterling und bemerkt die Jäger nicht.“ Grün erschrak, denn er kannte unsere verträumte Hirvi nur zu gut. Behände kletterte er auf einen Baum und hielt Ausschau nach der Elchkuh, konnte sie aber nirgends entdecken, dafür aber zwei Jäger, die mit Jagdgewehren über den Schultern in Richtung See unterwegs waren. Da ergriff ihn eine große Sorge und er begann, auf seinen Bauch zu schlagen. Du musst wissen, wenn Trolle sich auf den Bauch schlagen, klingt es wie ein Hämmern und alle Trolle können das Hämmern verstehen, nur wir Menschen verstehen es nicht und halten es für Spechtgeklopfe.
Grün schlug sich also auf den Bauch und alle Trolle lauschten:
Hört ihr Trolle meinen Bauch
Elaho sucht in dem Strauch
Hört ihr Trolle meine Sorgen
Hirvi fehlt schon seit dem Morgen
Groß die Gefahr, sie wird nicht alt.
Jäger laufen durch den Wald
Weil Hirvi eine ganz besonders liebe Elchkuh ist, waren alle Trolle in großer Sorge um sie, besonders aber der große Troll Birk, der für Hirvi Freund, Lehrer und Beschützer war. Das war eine große Aufgabe, um die die Trolle in Wettkämpfen gegeneinander antreten. Der Sieger bekommt ein Elchkälbchen zugeordnet, für das er die ganze Lebenszeit des Elches Verantwortung trägt. Troll Birk hatte den Wettkampf um Hirvi gegen zwölf Trolle gewonnen.
Birk ist ein Troll, der wie eine alte Birke aussieht und auch so groß ist. Deshalb hat er auch immer viel Durst und war unterwegs zum See, als er Grüns Trommeln hörte.
Er kam gerade am See an, da sah er Hirvi im Wasser auf das Ufer zu schwimmen. Wie groß war seine Freude, als er sie sah. Er wollte sie überraschen und stellte sich ans Ufer neben zwei Erlen, so dass selbst die Tiere, die ihn kannten, ihn nicht erkennen können und für eine Birke hielten. Als er da so stand und auf Hirvi wartete, hörte er plötzlich einen lauten Schuss und sah, wie Wasser vor der Elchkuh aufspritzte. Voller Wut drehte sich Birk um und stürzte sich auf die Jäger. Diese dachten nun, die große Birke fällt um, ließen ihre Gewehre fallen und liefen davon. Birk griff sich die Gewehre und machte ihnen einen Knoten in den Lauf, so dass aus ihnen niemals mehr ein Schuss abgegeben werden konnte.
Als die Jäger sich umsahen, warum die Birke gefallen ist, wunderten sie sich sehr, dass von ihren Gewehren jedes einen Knoten im Lauf hatte. Da sind ihnen Geschichten eingefallen, die schon ihre Großeltern von Trollen erzählt hatten und sie liefen so schnell sie konnten davon.
Diese Jäger sind nie wieder in den Wald gegangen, und haben sich ein anderes Hobby gesucht, nun spielen sie Schach in einem Verein.
Unsere Hirvi jedoch schwamm weiter an Land und wurde dort von Troll Birk erwartet. Sie war so traurig, dass sie gar nicht bemerkte, dass die Jäger auf sie geschossen hatten. Da kannst Du Dir wohl vorstellen, was passiert wäre, wenn Troll Birk nicht zur Stelle gewesen wäre. Birk schlug die gute Nachricht auf seinem Bauch an alle Trolle
Hört ihr Trolle meinen Bauch
Elaho, komm aus dem Strauch
Hört ihr Trolle von meinem Glück
Bring die Hirvi nun zurück
Jäger aus dem Wald vertrieben
ihre Flinten hier geblieben
Da war große Freude im Wald bei Trollen und Tieren und schnell wurde beschlossen, ein Fest zu feiern. Jeder brachte zum Stein vom Troll Grün etwas Leckeres mit, saftiges Moos, Äste von Ahornbäumen, Fichtenzweige, Pilze, Beeren und bunte Waldblumen. Schnell war eine festliche Tafel angerichtet. Die ganze Nacht über wurde gefeiert, die Trolle tanzten ausgelassen und sprangen mit den Hasen und Füchsen um die Wette. Bei der ganzen Feierei bemerkten Elaho, Troll Grün und Birk erst nicht, dass Hirvi gar nicht richtig lustig war und auch nicht tanzte. Sie stand nur am Rande der Lichtung und betrachtete das lustige Treiben. Grün ging auf sie zu und fragte, warum sie so traurig sei, da fing Hirvi an zu weinen. Sie erzählte, was die Rothirsche zu ihr gesagt hatten und beklagte ihre langen Beine und ihre große Nase.
Grün sah sie an und sagte mit sehr ernster Stimme:“ Hirvi, findest Du denn Deine Schwester hässlich?“ „ Nein, sagte Hirvi, Elaho ist hübsch.“ Grün fragte weiter: „Findest Du mich hässlich? “ „Aber nein“ antwortete Hirvi „ Du bist mein Freund“, Grün fragte noch einmal „Findest Du Birk hässlich?“ „Was stellst Du nur für dumme Fragen“ sagte Hirvi“ auch Birk ist mein Freund und Beschützer, Freunde sind nicht hässlich.“ „Warum ich diese Fragen stelle? Elaho sieht aus wie Du, nur, dass ihre Beine etwas dunkler sind, ich habe eine große dicke Nase und der riesige Birk hat sehr lange Beine, alles Dinge, die dich an dir stören und angeblich so hässlich sind. Dabei sind sie so wichtig und die Rothirsche wären neidisch, wenn sie wüssten, wie wichtig sie sind.“ „Wie wichtig soll eine große dicke Nase schon sein“ sagte Hirvi bockig. „Überlebenswichtig“ antwortete Troll Grün. Nur dicknasige Trolle und Elche schaffen es, in ganz kalter Gegend schnell lange Strecken zu laufen, deshalb gibt es im Norden keine Rothirsche, sondern nur Elche und Rentiere. In unseren dicken Nasen kann sich die kalte Luft erwärmen. Wenn die Luft bei einer Temperatur von minus 50 Grad in die Lunge kommen würde, würde die Lunge zu Eis werden, so wärmt sich die Luft in der großen Nase auf und nichts kann passieren. Man muss nur aufpassen, dass man nicht aus Versehen durch den Mund atmet. „Ach so“ sagte Hirvi, „das habe ich nicht gewusst, dann ist meine Nase ja was ganz Besonderes“ „ Genau wie Deine langen Beine“ antwortete Birk. „Kaum ein Tier kann so schnell laufen wie ein Elch, freu dich doch, dass du so lange Beine hast. Da hat kein Wolfrudel eine Chance dich zu greifen, solange Du gesund bist. “ „Jetzt wo du es sagst möchte ich auch keine anderen Beine mehr haben.“ Hirvi sprang fröhlich herum. „Ich freue mich ein Elch zu sein, so liebe Freunde und eine so hübsche Schwester zu haben. Aber ich wäre auch gern eine Freundin von dem edlem Rothirsch geworden.“ „Lass mal Hirvi“ sagte Troll Grün “Du findest noch einen ganz schönen Elch mit riesigem Geweih, dann sind dir die Rothirsche nicht mehr wichtig“
Die Trolle lachten und fingen an, ein Lied zu singen und alle Tiere lauschten ganz aufmerksam dem schönen Gesang, der klang, als ob der Wind durch den Wald streift und alle Vögel singen.
Langsam nehmen alle Baumesblätter
Der Sonne bunte Farben an
Bald schon ist hier Winterwetter
ein Troll nicht mehr im Freien sitzen kann
Dann scheint die Sonne auch nicht mehr gelbgolden
Und blauer Himmel ist nicht mehr zu sehen
Die Vögel sammeln sich zum Flug nach Süden
Weil bunt die Blumen dort noch stehen.
Doch Trolle möchten immer lachen,
sie singen sich dann ganz allein ein Lied,
und wenn dabei die Elche Hochzeit machen
passen sie auf, dass denen nichts geschieht.
Die Elchhochzeit ist eine große Sache,
die nur im goldnen Herbst geschieht,
wir Trolle halten dann die Wache
dass weder Mensch noch Hund sie sieht.
Und wenn der Sommer dann beginnt
Die Nahrung wächst im Überfluss
Bekommt die Elchkuh auch ihr Kind
Der Troll vor Freude tanzen muss.
Am nächsten Morgen begleitete Troll Birk unsere Hirvi auf der Futtersuche, denn solche Sorgen wie am Tag zuvor wollte er nicht noch einmal erleben. Plötzlich kam Elaho ganz aufgeregt angelaufen und rief, „Ihr glaubt ja nicht, was ich gesehen habe, Elche, große Elche, so Schöne habe ich noch nie gesehen. Die hatten ja riesige Geweihe.“ „Wo?“ fragte Hirvi, denn sie hatte bisher noch nie einen Elchhirsch gesehen, weil diese nicht mit den Elchkühen zusammenleben.
Da hörte sie schon das heisere Rufen eines Elches und gleich darauf die Stimme eines Zweiten. Troll Birk erzählte, dass diese Elche von weit aus dem Norden auf Brautschau gekommen sind und schon mit ihrem Schaufelgeweih Brunftgruben gegraben hatten. Er hatte sich schon mit ihnen unterhalten und kannte ihre Namen. „Wie heißt den der dunkle Elch?“ wollte Elaho wissen, „Selo“ erwiderte Troll Birk und der andere heißt „Alko“. „Nun ja,“ sagte Elaho“ ich gehe mal schauen, was Selo so für Einer ist“. „Und ich sehe mir den Alko an“ rief Hirvi und ehe man sich versah, war sie losgelaufen, um den Elch zu sehen.
Als sie auf dem Hügel stand und hinab blickte, konnte sie sehen, wie sich ein großer Elch mit einem riesigen Schaufelgeweih in eine Erdkuhle suhlte und dabei mit heiserer Stimme rief: „ Kommt ihr Elchkühe, seht was ich für ein flotter Elch bin, so einen Starken, Schönen habt ihr noch nie gesehen“ Langsam kam Hirvi näher und der Elch kam aus seiner Kuhle heraus. Hirvi sagte lachend zu ihm „Eingebildet bist du wohl gar nicht?“ aber sie dachte schon, dass Alko ein sehr schöner Elch war. „Was soll ich den machen“ antwortete Elch Alko, “Irgendwie muss ich dich doch auf mich aufmerksam machen, meine Schöne.“ Hirvi kicherte und sagte dann zu Alko „Komm, wir spielen Fangen, du bist dran“ und lief los. So tobten sie den ganzen Tag durch den Wald und als es Abend wurde, waren sie sich einig, dass sie heiraten wollten. Sie schliefen einige Tage zu Zweit in der Erdkuhle und tagsüber liefen sie zusammen durch den Wald.
Doch nach einiger Zeit wurde es ihnen zu eng und sie verabschiedeten sich voneinander. Alko wollte wieder in den Norden ziehen, weil dort das Futter kräftiger ist und das Wetter kälter. Elche mögen das, musst Du wissen. Er lud Hirvi ein, wenn sie das Junge hat, ihn im Norden zu besuchen und machte sich auf den Weg.
Hirvi aber hatte schon Sehnsucht nach ihrer Schwester Elaho und nach den Trollen, deshalb machte sie sich auf den Weg zum Stein von Troll Grün. Als sie dort ankam, sah sie gerade, wie Elaho und Troll Grün sich freudig begrüßten und ihre Nasen aneinander rieben. Schnell lief sie auch hin und hielt ihre Nase den Beiden zur Begrüßung hin. Wie groß die Freude war, als sich die Elchkühe wieder getroffen hatten, kannst Du Dir bestimmt vorstellen. Lange erzählten sich die Beiden, was sie mit den Elchen erlebt hatten und wie sie sich verabschiedeten. Nun freuten sie sich, wieder zusammen mit den Trollen durch den Wald zu streifen und ihr Leben wie zuvor weiterführen zu können.
So verbrachten sie den Winter in den Wäldern zwischen Svenljunga und Ullared. Als es Frühling wurde, merkten sie, dass ihre Bäuche sehr dick geworden sind. Sie konnten sich nur noch langsam bewegen, weil ein Baby in ihnen wuchs. Dafür waren aber die Trolle stets an ihrer Seite und sehr um ihr Wohlergehen bemüht. Als erstes bemerkte Elaho, das es an der Zeit war für das Elchkalb, auf die Welt zu kommen. Drei große Wellen liefen durch ihren Leib und plötzlich schob sich zwischen ihren Hinterbeinen das Kälbchen heraus. Schnell waren die Trolle zur Stelle und kümmerten sich um Mutter und Kind.
Hirvi konnte es gar nicht fassen, was für eine niedliche Nichte sie bekommen hatte und war sehr über die Farbe des Felles erstaunt. „Die Kleine sieht ja aus wie ein Eichhörnchen“ rief sie, „was hat sie für eine schöne Fellfarbe, rotbraun, nicht graubraun wie wir es sind.“ „ Aber Hirvi“ sagte Troll Grün lachend „auch Dein Kind wird rotbraunes Fell haben, alle Elchkälber haben erst rotbraunes Fell. Du hattest das auch einmal, als du klein warst. Nach einem halben Jahr wird es dann graubraun.“
Am nächsten Tag hatte unsere Hirvi ihr Kalb auf die Welt gebracht und es war genauso, wie Troll Grün es gesagt hatte, mit rotbraunen Fell. „Ach mein Kleiner“, sagte Hirvi, „was bist Du nur für ein hübscher Elch, bestimmt wirst Du einmal so groß und stark wie dein Papa.“
Abends saßen die Trolle beieinander und überlegten, welche Namen sie den beiden Kälbchen geben wollten. Sie einigten sich schließlich
darauf, Elahos Elchkuhkälbchen den Namen Briedis und Hirvis kleinem Elch den Namen Breedis zu geben. Danach wurde besprochen, wer von den jungen Trollen zum Wettkampf um die ständige Begleitung der Elchkälber antreten wird.
Um herauszubekommen, wer dafür am Besten geeignet ist, mussten die jungen Trolle einen Wettkampf veranstalten, indem drei Prüfungen abgelegt werden.
Troll Grün hatte einen jüngeren Bruder, der hieß Blätterfall und hatte bisher noch keinen eigenen Elch. Dabei gab es nichts, was sich Troll Blätterfall sehnlichster wünschte, als einen eigenen Elch betreuen zu dürfen. Der Wettkampf der Trolle besteht aus drei Disziplinen, bei der Ersten müssen 60 Kilometern in einer Stunde zurückgelegt werden, das ist so schnell, wie ein Elch bei Gefahr laufen kann.
Die zweite Disziplin ist, alle Kräuter des Waldes zu kennen, ob gesund oder giftig und zu wissen, welches Kraut bei welcher Krankheit hilft.
Die dritte Disziplin im Wettkampf ist, Gedichte oder Lieder für die kleinen Elche zu machen, denn es gehört zur Aufgabe der Trolle, die Elchkälbchen abends in den Schlaf zu singen und morgens freundlich aus den Träumen zurückzuholen.
Troll Blätterfall hatte sich sehr intensiv auf die Prüfungen vorbereitet. Da er, wie Troll Grün zu den Trollen mit den Riesenfüßen gehörte, die aber kurze Beine haben, hatte er sich überlegt, dass er nicht durch Laufen die Entfernung von 60 Kilometern in einer Stunde schaffen kann. Deshalb hatte er trainiert, von Baum zu Baum zu springen um diese Strecke zurückzulegen, so, wie auch schon Troll Grün damals seine Prüfung abgelegt hatte. Grün war ihm ein wertvoller Ratgeber gewesen und nur durch seine Hilfe konnte Troll Blätterfall es lernen, über weite Strecken von einem Baum zum anderen zu springen, indem er bis in die allerhöchsten Baumwipfel kletterte.
So gut vorbereitet, war die erste Prüfung für Troll Blätterfall leicht zu schaffen.
Aber er hatte Pilzsucher im Wald in Erstaunen versetzt, weil er von einer Frau gesehen wurde, die nicht verstand, was sie da sah. Sie sagte zu ihrem Mann, „Lieber Sven, ich hätte zum Mittagessen lieber keinen Wein trinken sollen, eben habe ich gedacht, der Baum ist eine Fichte, dann dachte ich, nein, er ist ein Laubbaum und nun sehe ich , dass er eine Fichte ist. Ich glaube, ich gehe nach Hause ins Bett.“
Das die arme Frau so verwirrt wurde, hat damit zu tun, dass Troll Blätterfall wie ein Laubhaufen aussieht und wenn er von Baum zu Baum springt, kann es schon vorkommen, dass ein Nadelbaum plötzlich aussieht wie ein Laubbaum, solange er auf diesem Baume sitzt.
Am nächsten Tag die zweite Prüfung war auch einfach für Troll Blätterfall, weil er viel über Kräuter von Troll Birk gelernt hat. Er sollte Kräuter gegen Bauchweh und gegen offene Wunden sammeln.
Klug wie er war, sagte er sich, ach, dann fange ich doch mit den Kräutern an, die gegen Beides helfen, dann habe ich mit einem Kraut gleich zwei Aufgaben gelöst. Er lief in die Heide, an eine Stelle, wo ganz magerer Boden war, dort wuchs die Kamille. Von der Pflanze pflückte er die Blütenköpfe und auf dem Rückweg ging er an der Wiese vorbei, auf der die Schafe weideten. Die Schafe hatten das Gras schon abgeweidet und nur ein Kraut stehen lassen, dass ihnen nicht schmeckte, das ist die Schafgarbe. Dann schlich er sich noch an den Dorfrand und pflückte aus den Gärten Ringelblumen. Aus Kamille und Schafgarbe bereitete er eine Teemischung gegen Bauchweh und aus Kamille und Ringelblume eine Salbe gegen offene Wunden. Die anderen Trolle waren sehr beeindruckt über das Wissen von Troll Blätterfall und sagten ihm, dass er auch diese Prüfung sehr gut bestanden hatte.
Aber nun die letzte Prüfung, das reimen eines Liedes oder Gedichtes.
Erst dachte Troll Blätterfall, ach, das ist ja einfach. Aber als er so saß und überlegte:
Schlaf mein kleines Elchkälbchen
schlafe ein geschwind
wollte ihm einfach nichts weiter einfallen, er überlegte und überlegte, stellte die Worte um und dann hatte er einen Reim
Schlafe ein geschwind
Elchkälbchen du Kleines
abends weht ein starker Wind
schlaf ganz fest mein Feines
Alle Sterne stehen
hoch am Himmel oben
können auf dich niedersehen
wollen dich gern loben
freut sich auch der alte Mond
wenn du schläfst mein Kleines
abends weht ein starker Wind
schlaf ganz fest mein Feines
Auweia, dachte Troll Blätterfall, das war aber schwer und eine Melodie fällt mir auch nicht ein. Hoffentlich ist es gut genug für die Prüfung. Am Besten, ich mache am Tage ganz viele Spiele mit den Elchkälbchen, dann sind sie abends müde und schlafen schnell ein. Er überlegte sich ein paar Spiele, die er mit den beiden Kälbchen spielen konnte, wie Fangen und Verstecken. So machte er es und tatsächlich, vom vielen Herumgetobe am Tag war das Kälbchen Briedis ganz müde und schlief sofort ein, als Troll Blätterfall seinen Schlafreim aufsagte. Troll Blätterfall deckte das Elchkälbchen noch mit Laub zu und atmete zufrieden tief aus, noch einmal gut gegangen. Aber er wusste, dass er das Aufstehen dann ganz besonders gut vorbereiten musste, damit die Prüfung gut bewertet wird. Deshalb rief er die Kreuzspinnen des Waldes und bat sie, zwischen allen Bäumen schöne große Netze zu spinnen, mit glänzenden Fäden. Die Spinnen freuten sich, dass jemand ihre Kunst zu schätzen wusste und spannen die schönsten, glänzenden Netze zwischen die Bäume, die man sich nur vorstellen kann. Als der Morgen graute, sammelte Troll Blätterfall den Tau von den Gräsern und hängte die Tautropfen in die Spinnennetze. Dann ging auch schon die Sonne auf und sie spiegelte sich tausendfach in den Tautropfen wieder, so das der ganze Wald von ihrem Leuchten erhellt wurde. Die Tautropfen funkelten in allen Farben des Regenbogens und waren noch schöner anzusehen als der Sternenhimmel. Als Briedis morgens aufwachte, hob sie ganz erstaunt den Kopf. So etwas Schönes hatte sie noch nie gesehen, all das Glitzern und Funkeln.
Das fanden auch die Trolle und sie übergaben Troll Blätterfall ganz feierlich die Verantwortung für Briedis.
Im Wettkampf um Breedis siegte die Trollin Erla, die wie Troll Birk zur Familie der Baumtrolle gehört. Erla ist sehr schnell gelaufen, kannte viele Kräuter und konnte wunderschön singen, deshalb hatte sie den Wettkampf gewonnen.
Jetzt hatte unsere Elchfamilie vier Trolle, die auf sie aufpassten, das klingt viel, aber Du weist ja nun, was so alles passieren kann, da haben die Trolle sehr viel zu tun.